Wandergruppe in den Dolomiten auf einer Alpenüberquerung

Alpenüberquerung: Königssee - Drei Zinnen

Vom Königssee in den Berchtesgadener Bergen zu den Drei Zinnen in den Dolomiten - mit wenig Betrieb und absolut fantastischer Streckenführung.

Die Route

Die Route

Vor 14 Jahren führte mich meine erste Alpenüberquerung über den stark frequentierten E5 von Oy-Mittelberg nach Meran. Diesmal ging es vom Königssee zu den Drei Zinnen.
Unterwegs war ich - wieder einmal - mit dem DAV Summit Club. Organisation, Kommunikation und vor allem die engagierte Leitung unseres Bergführers waren 1a. Meine Empfehlung habt ihr, lieber Summit Club. Damit wir möglichst attraktive Etappen kondensiert in einer Wanderwoche erleben konnten, gab es mehrere organisierte Transfers, die dem Wandergenuss aber keinen Abbruch taten.

Die Wege sind zumeist alpine Steige oder Pfade, selten Wanderwege, wie du sie vielleicht vom Sauerland oder der Eifel kennst. Mehrmals bist du auf dieser Tour in Höhen von 2.000 und mehr Metern unterwegs. Wenn du damit keine Erfahrung hast, empfehle ich dir, zuerst einmal tageweise und sternförmig von einer festen Unterkunft ausgehend in den Bergen zu wandern, bevor du dich für eine Alpenüberquerung entscheidest.

Dolomiten-Panorama
Landschaft

Meine Erinnerung mag mich täuschen, doch ich habe den Eindruck, dass ich auf dem Weg vom Königssee zu den Drei Zinnen viel intensiver den Wechsel der Landschafts- und Gesteinsformen wahrgenommen habe als auf dem E5.

Zuerst die postkartenreife Bootsfahrt über den Königssee, garniert vom Trompetenspiel vor der weltberühmten Echowand. Dann der Aufstieg zur ersten Hütte, gefolgt von der Querung der wie tot wirkenden Mondlandschaft des Steinernen Meeres (Kalkstein).

Weiter ging es in die Hohen Tauern, wo das mächtige Urgestein funkelte, spitzte und ragte, Kräuter, Gräser und Blumen blühten und manchmal Kühe, Schafe und sogar Pferde weideten. Und dann zeichneten sich am Horizont schon die markanten Felsspitzen der Dolomiten ab, die unsere Wanderwoche schließlich sowas von krönten.

Für mich waren die Etappen absolute Filetstücke des alpinen Wanderns, und eines hat sich wie an einer Perlenschnur an das andere gereiht.

Mit anderen Worten: Die Tour hat mir dermaßen gut gefallen, dass ich sie noch einmal machen würde, obwohl ich sonst nicht ein Typ für Wiederholungen bin.

Unterkunft

Wir haben auf Alpenvereinshütten am Berg und in Gasthöfen im Tal übernachtet, vom Massenlager bis zum Doppelzimmer war alles dabei, ebenso von der Katzenwäsche bis zur Dusche, das gehört zu einer Hüttentour nun mal dazu. Die Verpflegung war immer top und ausreichend. Wo wir genächtigt haben, zeigt dir die Ausschreibung des Summit Club.

Gepäck

Ich bin mit einem Rucksack von Vaude gelaufen, einem schmal geschnittenen Damenmodell mit 38+8 Litern, was vom Volumen her absolut ausreicht. Die Packliste des Summit Clubs hat alles aufgeführt, was man braucht, und mehr braucht man definitiv nicht. Okay, gehen wir ins Detail:

  • 1 lange Wanderhose
  • 2 kurze Wanderhosen (1 hätte gereicht)
  • 2 Merino Kurzarmshirts (1 hätte gereicht)
  • 1 Merino Langarmshirt
  • 2 Tank Tops (1 hätte gereicht)
  • 1 Leggings für die Hütte oder als lange Unterhose bei Kälte
  • 1 Regenjacke
  • 1 Regenhose
  • 1 Softshelljacke (oder Hardshell)
  • Kappe, Mütze, Stirnband und Handschuhe
  • Stirnlampe
  • Taschenmesser
  • Erste-Hilfe-Set, Medikamente
  • Biwaksack
  • Kulturbeutel
  • Hüttenschlafsack
  • Schlafzeug
  • Unterwäsche
  • Badeschlappen als Hüttenschuhe
  • Regenhülle für den Rucksack

 

  •  … und natürlich berggängige Wanderschuhe.

Ein paar Gedanken zum Abschluss

Sieben Tage Gehen. Endlich einmal wieder. Sieben Tage lang aus dem Rucksack leben. Wenig zu entscheiden. Dasselbe Shirt, dieselbe Hose, die Wanderschuhe. Schritt für Schritt dem Bergführer hinterher, der den Weg, Wasserquellen und die nächste Unterkunft schon findet. Sieben Tage Kopf aus. Oder sind es sieben Wochen? Das hab‘ ich immer, wenn ich wandere. Dass die Zeit, nein, dass ich mich so schön a u s d e h n e. Ich schreite aus und greife Raum, zuerst außen, und dann, wenn ich im Tritt bin, im Wanderfluss, auch innen. Mmmh.

Sieben Tage Gehen. Sieben Tage in mir wohnen. Bergauf schweigen, weil ich sonst beginne zu schnaufen und mit dem Atmen durcheinanderkomme, und noch viel mehr, weil es mir wohltut, mich nur auf meinen Pfad zu konzentrieren. Dann spüre ich manchmal, wie wir zehn ein einziger Organismus sind, mit zwanzig Beinen, Armen und Augen, der sich durchs Gestrüpp schlängelt mit zuckenden Gliedern. Mal zieht er mich, mal schiebe ich ihn. Wir schwitzen, wir dürsten, wir haben Knie und grandiose Aussicht.

Sieben Tage Gehen, unserem Ziel entgegen, und jeder seinen eigenen. Ich wollte leise werden und war es. Ich wollte die Kraft der Berge spüren und tat es. Und ich wollte, zum ersten Mal so richtig bewusst und so leiernd es tönt, meine Batterie aufladen, damit ich wieder gut für mich und andere sorgen kann. Denn ich wäre beinahe gar nicht erst losgegangen.

Text & Bilder (c) Katharina Afflerbach 

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