27.05.2015
Nepalesisches Tagebuch #04: Besuch im Solu Khumbu

Der heutige Tag steht zunächst einmal voll im Zeichen der Ungewissheit. Noch ist nicht klar, ob wir ins Everest-Gebiet fliegen können. Die Regierung hält die Hand auf allen Fluggeräten. Wir verbringen die Wartezeit auf dem Bürogelände unserer nepalesischen Partner, das ein beachtliches Warenlager für Hilfslieferungen beheimatet. Eine indische Prinzessin hat persönlich Hilfsgüter in Kathmandu abgeliefert und unseren Freund und Partner Phintso damit beauftragt diese zu verteilen.

Überrraschend kommt doch noch die Bestätigung, dass wir ins Everest Gebiet kommen. Bei einem Zwischenstopp in Paphlu trinken wir Tee im kleinen Airportcafe und erreichen schließlich das Solu Khumbu.

Die Ortschaften und Trekkingrouten
Die Orte im Everest-Gebiet sind in unterschiedlicher Weise betroffen. Alle Orte sind jedoch nach wie vor bewohnt und werden wieder aufgerichtet. Zu Schäden kam es auch in der Sherpa Hauptstadt Khumjung und im Handelszentrum Namche Bazar. Neben dem Aufbau der eigenen Häuser ist der Ansporn der nepalesischen Bevölkerung sehr groß, dass die touristische Infrastruktur in den nächsten Monaten wieder hergestellt wird. Die Zuversicht, dass Trekking-Tourismus in der Hauptsaison ab Oktober wieder stattfinden kann, treibt die Menschen an. Für viele nepalesische Familien ist die Arbeit im Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Nach erstem Ermessen scheinen die Trekkingrouten weitgehend in Ordnung zu sein. Eine Schlüsselstelle zwischen Lukla und Phakding, die momentan durch einen Erdrutsch blockiert ist, kann über eine Alternativroute umgangen werden. Es ist davon auszugehen, dass in den Sommermonaten in denen der Monsun das Land beherrscht, das noch vorhandene lockere Gestein hinab spült. Nach der Monsunzeit wird die Bedrohung durch lockeres Gestein oder Geröll als gering einzustufen zu sein.

Die Lodges aus den DAV Summit Club Programmen
Intakt sind die Lodges in Mende und Pangpoche,  in Monjo sind im ersten Stock im linken Flügel die Zwischenwände "verbogen“. Eine Reparatur bis Oktober sollte in Monjo kein Problem sein. Kleine Beschädigungen bestehen in der Lodge in Lukla. Hier wurde ein Zimmer in Mitleidenschaft gezogen. Stark beschädigt und bis auf weiteres nicht zu nutzen ist Tashinga. Hier gibt es aber zum Glück eine Alternative. Dank unserem Partner Phintso können wir auf eine andere Lodge ausweichen.

Unser erstes Fazit
Trekkingtourismus im Everest-Gebiet kann ab Oktober ohne Einschränkungen stattfinden. Das Gleiche gilt für das Annapurnagebiet, wo nennenswerte Schäden ausschließlich im Abschnitt zwischen Besisahar und Chame entlang den Marsyangdi Flusses aufgetreten sind. Auch hier kann davon ausgegangen werden, dass die erforderlichen Reparaturarbeiten bis zum Oktober ausgeführt worden sind. Wenig bis gar nicht betroffen sind die Gebiete östlich des Everests und westlich des Annapurnagebietes. Im starken Maße betroffen sind dagegen sind die Regionen Langtang und Manaslu mit dem nördlich angrenzenden Tsum Valley. In diesen Regionen werden im Herbst keine Trekking-Reisen stattfinden können.

Offene Worte zum Schluß
Die Angestellten in den Lodges haben uns  alle rührend und äußerst herzlich aufgenommen. Wir als DAV Summit Club haben eine Verpflichtung, unseren nepalesischen Kollegen und Kolleginnen zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Jeder Trekker oder Gast in einer Lodge ist ein kleiner Funken Zuversicht und trägt dazu bei, diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Nepal braucht unsere Solidarität - nicht nur in einem Hilfsprojekt, sondern von Lodge zu Lodge, von Trek zu Trek.

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