Zum Glück habe ich nicht Mauritius gebucht

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Mein Reisetagebuch in Auszügen: Das Erlebnis Kilimandscharo

Freitag, 05.11.2010
Kurz nach 4.00 Uhr verlasse ich meine Wohnung in Richtung S-Bahn, bin viel zu früh am Flughafen München (die Aufregung hat mich nicht länger schlafen lassen) und mach’s mir dann auf den Warteplätzen am noch unbeleuchteten Abfluggate nach Amsterdam bequem. Nach einer halben Stunde kommt ein weiterer Fluggast mit Bergschuhen (auch einer von uns?). Wie sich später herausstellte, war es Harald. Den dritten Münchner, Ralph, treffen wir am riesigen Flughafen Schiphol in Amsterdam, gleich darauf Rupert, und da steht noch ein „Verdächtiger“ mit Berg-schuhen und DAV Summit Club-Rucksack in der Schlange: Frank. Erst am Kilimandscharo International Airport Arusha stoßen wir auf die restlichen vier: Peter, Ingeborg, Gaby und Angelika. Mumbie, Martin und John warten schon auf uns,  mit einem Kleinbus fahren wir zum Snowcrest-Hotel in Arusha, beziehen die Zimmer und treffen uns zum späten Abendessen, in Ostafrika ist es jetzt 22.30 Uhr. In kurzer Vorstellungsrunde erfahren wir, wer wie heißt und woher er/sie kommt.

Samstag, 6.11.2010
Unser erster Tansania-Tag beginnt um 9.30 Uhr mit der Fahrt in den Arusha-Nationalpark mit Driver David Bushman und Elliot, dem Schmunzelmonster aus der Pfalz (SV Bockenau). U.a. sehen wir Afrikanische Büffel (Kaffernbüffel), Warzenschweine, Wasserböcke, Paviane, Blue Ball Monkeys (grüne Meerkatzen), schwarz-weiße Stummelaffen (Colobusaffen), Giraffen, Zwergflamingos, Stelzenläufer und Zebras.

Sonntag, 07.11.2010
Um 8.30 Uhr brechen wir zum Ngorogoro Krater auf; unterwegs machen wir am Lake Manyara Halt, ein wunderbarer Aussichtspunkt. Gegen 12.00 Uhr kommen wir im Ngorogoro-Nationalpark an. Ein grandioser Blick über den Kraterrand hinunter auf den Salzsee eröffnet sich. Wir sehen  Büffel, Steppenzebras, Streifengnus, Thomson-Gazellen und Zwergantilopen. Dazu zwei Spitzmaul-Nashörner, Elefanten, Tüpfelhyäne, Löwe, Schabrackenschakal, Warzenschweine, Serval, Riesentrappe, Sekretär, Kronenkranich, Rotschnabel-Toko, Nilgänse, Nilpferde (beim Lunch am See), Marabus und sogar Geparden.

Mittwoch, 10.11.2010
Nach dem Frühstück brechen wir um 9.00 Uhr zum Mt. Meru auf, nur mit dem „Berggepäck“, der Rest wird im Hotel deponiert. Fahrt bis zum Momella Gate, Arusha-NP. Nach Erledigung der Formalitäten (Parklizenz, Eintragen unserer Namen, Ausweisnummern etc.) werden unsere Taschen und Säcke in wasserfeste Hüllen gepackt, jedes Gepäckstück, der gesamte Zelt- und Küchenzubehör und die Lebensmittelvorräte für die nächsten Tage werden gewogen und auf die Träger verteilt. Um 12.30 Uhr treten wir – nach Verzehr unseres Lunchpakets (Hähnchenschenkel, Chips, rote Wurst (?), gekochtes Ei, Muffinkuchen, Kaugummi, Schokoriegel, Zahnstocher, Serviette) - den Aufstieg durch tropischen Regenwald zum ersten Hüttenlager an, begleitet von Ranger Joseph und seiner 19 mm Dum-Dum-Geschoss-Büchse (ob der notfalls auch trifft ??). Nach 4 Stunden erreichen wir die Miriakamba-Hut (2.500 m), wo wir die Nacht in  Vier-Bett-Zimmern verbringen (Stockbetten). Nach Sonnenuntergang blicken wir auf einen phantastischen afrikanischen Sternenhimmel.

Donnerstag, 11.11.2010
Um 6.00 Uhr sind die ersten schon wach, offizielles Wecken ist um 7.00 Uhr („washing water“) –  ein grandioser Sonnenaufgang hinter dem sich malerisch über die Wolken erhebenden Kilimandscharo. Heute gibt’s Porridge (afrikanisch = pappsüß) zum Frühstück. Kurz nach 8.00 Uhr beginnt der relativ steile Aufstieg zur Saddle Hut - über tausende von Holzstufen, die eine allzu starke Bodenerosion vermeiden. Nach ca. 4 1/2 Stunden Gehzeit erreichen wir die Saddle Hut auf 3.400 Metern. Quartier wieder in Vierer-Zimmern mit Stockbetten, um 13.30 Uhr Lunch, um 15.00 Uhr starten wir bei Nieselregen zur geplanten Akklimatisierungstour auf den Little Meru ( 3.820 m).

Samstag, 13.11.2010
Gleich nach dem Frühstück steigen wir – zunächst bei Sonnenschein –  zum Momella-Gate ab. Unter der Wolkengrenze bildet sich feuchter Nebel. Wir ziehen um in die Ngurundoto Lodge! Dort kommen wir gegen 14.30 an, sind begeistert von unserem neuen Quartier und haben bis zum Nachmittags-Lunch noch genügend Zeit zum Duschen, Baden (im Pool), Wäschewaschen etc. Um 15.30 gibt’s ein richtig gepflegtes Essen : Avocado vinaigrette, Chicken mit Vegetable-Ratatouille und Reis, Schoko- und Vanilleeis. Danach „chillen“ wir am Pool, schreiben die ersten Karten ins entfernte Europa und genießen die Ruhe und Erholung bis zum Abendessen um19.30 (frischer Kingfish, vorher ein gepflegtes Gin Tonic mit Peter!).
 
Sonntag, 14.11.10
Vier Stunden Fahrt nach Moshi und weiter zum Startpunkt Rongai - nahe der kenianischen Grenze. Nach Eintragung unserer Personalien in das „dicke Buch“ haben wir während der Gepäckverwiege-Zeremonie noch Zeit für das Lunchpaket, bevor wir um 13.45 Uhr zum ersten Kili-Anstieg durch Pinienplantagen aufbrechen. Bei der ersten Pause machen wir Bekanntschaft mit einer Pavianfamilie. Weiter geht’s durch kurzen tropischen Regenwald bis zur ersten von drei Höhlen. Die Baumgrenze ist bald erreicht, die Vegetation besteht jetzt hauptsächlich aus Busch und Gräsern. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir unser erstes Zeltlager über dem Dschungelgürtel in 2.800 Metern Höhe (Erika-Zone). Die Träger haben uns natürlich wieder überholt, alle Zelte sind bereits aufgebaut (wir haben sogar ein Toilettenzelt!) und wir werden von der gesamten Crew mit afrikanischen Gesängen begrüßt - alle tanzen mit. Wir beziehen die Zwei-Mann-Zelte und treffen uns zum Tee und Abendessen im Gemeinschaftszelt. Es fängt so stark zu regnen an, dass das Wasser über den Zeltboden schießt und wir die Füße hochhalten müssen, um trocken zu bleiben, was uns aber  weder den Appetit noch die gute Laune verdirbt.

Dienstag, 16.11.2010
Aufbruch zum letzten Lager nahe der berühmten „Kibo-Hut“ in 4.700 m Höhe, der letzten Behausung vor dem Gipfel. Die Temperaturen sinken von Stunde zu Stunde und so nehmen wir die gleißende Sonne kaum wahr, am nächsten Tag hat sie ihre Spuren auf unseren Händen und Handgelenken hinterlassen (auch Lichtschutzfaktor 50 bietet in dieser Höhe kaum ausreichenden Schutz, nur die tatsächliche Abdeckung der Haut mit Kleidung und guter Kopfbedeckung). Die Landschaft verwandelt sich immer mehr in Steinwüste, die Hochebene zwischen Mawenzi und Kibo ist ein mondartiges Gelände aus Fels und Geröll, es gibt kaum Vegetation.  In der „Rezeption“ der Kibo-Hut muss sich wieder jeder ins Buch eintragen. Die Umgebung der Hütte macht auf uns einen  unfreundlichen Eindruck, wir sind froh über unsere komfortablen, sauberen Zelte!

Mittwoch, 17.11.10
Mit Stirnlampen steigen wir um Mitternacht in sehr gemäßigtem Tempo in endlosen Serpentinen aufwärts, der Lava- Schotter und die lose Asche sind noch gefroren und leicht schneebedeckt, was den Aufstieg einfacher gestaltet (erst beim Abstieg im Tageslicht merken wir, wie anstrengend das ständig rutschende Lavageröll ist). Um 3.00 UHr machen wir Rast mit heißem Tee an der Hans-Meyer-Höhle (nach dem Erstbesteiger des Kilimandscharo benannt) auf 5.200 Metern. Minus 22 Grad und bei jedem Stehen kriecht sofort die Kälte in Zehen und Finger. Am Himmel eine grandiose Milchstraße. Der Weg wird immer steiler, wir dafür immer langsamer. Bei Sonnenaufgang  (6.00 Uhr) stehen wir am Gilmans Point - 5.685 Meter. Hier am Kraterrand halten wir den ersten Erfolg fotografisch fest, kurze Pause zum Trinken und für ein letztes Doping mit einem Powerriegel,  wir haben noch zwei mühsame Stunden zum Uhuru-Peak vor uns. In der Sonne glänzen die ersten Gletscher-Formationen, ein unvergesslicher Eindruck weit über den Wolken. Die Temperaturen steigen langsam an, unser Pulsschlag auch. Der Weg ist das Ziel! Um 8.11 Uhr stehen wir am Gipfel des höchsten Berges Afrikas – ein großer Traum geht in Erfüllung! Und das Schönste ist: Wir haben es alle geschafft, trotz anfänglicher gesundheitlicher Schwierigkeiten – geteilte Freude ist eben doch doppelte Freude!

Es waren schöne, eindrucksvolle 15 Tage, die ich nicht missen möchte.
Zum Glück habe ich nicht Mauritius gebucht!

                                                                                            Sylvia Haaser-Schmid

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