NEPAL: VOM WERTLOSEN VIEHMIST ZUM WERTVOLLEN BIOGAS

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Nach dem Guide-Training in Kathmandu (wir berichten nächste Woche hiervon) ging es für mich zunächst nach Pokhara, um von dort aus mit unserem atmosfair-Projektpartner Kalyan ins Annapurnagebiet nach Ghandruk zu fahren. Dort befinden sich kleine Bauernhöfe, die heute schon dank der großzügigen Spenden unserer Mitglieder und Reisenden mit erneuerbarer Energie kochen können. Geplant war sich diese Biogasanlagen anzusehen und dabei etwas über die Lebensweise der Familien dort zu erfahren. 

Wir starteten am frühen Morgen in Pokhara. Die Luft war bereits angenehm warm, die Sonne schien und der Blick auf das Annapurnamassiv war gewaltig. Wir fuhren Richtung Norden und bald lagen uns Pokhara und der Phewa-See in der Morgensonne zu Füßen – ein unbeschreiblich schöner Anblick.

Wir kamen nur langsam voran, nicht nur weil die tiefen Schlaglöcher in der sonst erstaunlich gut ausgebauten Straße uns den Weg erschwerten, sondern weil wir diverse Fotostopps einlegen mussten. Nach etwa 1 ½ Stunden hatten wir das Ende der Straße erreicht. Die restliche Fahrtstrecke erfolgte quasi offroad. Der Weg war steinig, wir wurden ordentlich durchgeschüttelt und es ging noch langsamer voran. Nach einiger Zeit näherten wir uns dem Eingang zum Annapurna Nationalpark und etwa 1 ½ Stunden später kamen wir schließlich in Lower Ghandruk an. In diesem Dorf sind im letzten Jahr sechs Biogasanlagen gebaut worden, die durch die Spenden unserer Reisegäste sowie dem DAV finanziert wurden. 

Die erste Familie, die wir dort besuchten, hat sich sehr gefreut uns zu sehen. Wir wurden - wie auch in allen anderen Haushalten – überaus herzlich mit dem in Nepal verwendeten Gruß Namasté willkommen geheißen. Die Frau des Hauses hat uns sofort eine Tasse Milchtee angeboten – das wohl am meisten getrunkene Getränk in Nepal – und direkt angefangen zu erzählen. Natürlich auf Nepali, aber Kaylan übersetzte für mich alles ins Englische.

Die Familie berichtete uns, dass sie mit der Biogasanlage sehr zufrieden ist und das Biogas zum Kochen von Gemüse und Curry täglich nutzt. Der Reis, der zu jeder Mahlzeit gehört, wird in den meisten Familien in einem Reiskocher gekocht – das hat mich tatsächlich überrascht. In dem Haushalt dieser Familie leben sechs Personen, weshalb sie manchmal beim Kochen zusätzlich auf eine angeschlossene Gaskartusche zurückgreifen müssen.

Wie alle Bauernfamilien, hat auch diese Familie Büffel und Rinder, mit deren Mist die Anlage gefüllt wird. Auch andere organische Abfälle, wie der Biomüll oder Hirsereste, die bei der Alkoholproduktion übrigbleiben, können in der Anlage verwertet werden. Der Viehmist wird mit Wasser verdünnt und die anaerobe Zersetzung der organischen Substanz führt zur Bildung von Biogas, das über die Rohrverbindung in die Küche geleitet wird. Der Gärrest wird als biologischer Dünger verwendet, wovon auch die landwirtschaftlichen Erträge profitieren. Auch die hygienische Situation hat sich für die Familien verbessert, da mit dem Bau der Biogasanlage auch direkt ein Toilettenhaus errichtet und angeschlossen wurde. Einige Familien haben dann dort selbst noch Duschhäuschen gebaut.

 

Wir haben uns anschließend drei weitere Biogasanlagen in Lower Ghandruk angesehen bevor wir weiter nach Ghandruk gefahren sind. Erfreulicherweise haben wir überall dieselben positiven Reaktionen erhalten. Ein paar der Familien sind sehr einfallsreich und haben bspw. die Ableitung der Biogasanlage verlängert, sodass das gesamte Gemüsebeet mit dem Gärrest gedüngt werden kann. Eine andere Familie hat eine Abdeckung für die Anlage gebaut.

Die anschließende Fahrt nach Ghandruk, das auf etwa 2.000 m liegt, hat uns eine weitere Stunde gekostet. Das Bergdorf wurde am Hang errichtet und alle Häuser sind durch Treppen und kleine Wege verbunden. Ghandruk liegt auf dem beliebten Fernwanderweg um die Annapurna-Gebirgskette und dementsprechend viele Lodges und Homestays (Privatzimmer bei Familien) gibt es dort.

In einer der Lodges am Dorfrand haben wir zunächst eine Mittagspause eingelegt, um das typisch nepalesische Alltagsgericht Dal Bhat zu essen: Reis, Linsen und Gemüsecurry – sehr schmackhaft und sehr sättigend. Viele Nepalesen essen dieses Gericht zweimal am Tag. Es wird üblicherweise mit der rechten Hand gegessen, die Linke gilt in Nepal als unrein.

Gut gestärkt besuchten wir noch zwei weitere Familien, die im letzten Jahr eine Biogasanlage erhalten haben. Eine der Familien betreibt sogar eine Lodge neben der die Biogasanlage installiert wurde. Das Biogas reicht jedoch nur für die Versorgung der 4-köpfigen Familie. Für die Lodge müssen die Besitzer Gasflaschen kaufen, da die Kapazität der Biogasanlage begrenzt ist.

Im Anschluss haben wir unser Quartier für die Nacht bezogen: eine einfache Lodge mitten im Dorf. Die Zimmer sind zweckmäßig mit Bett, zwei Fenstern, einem einfachen Bad und Strom ausgestattet - völlig ausreichend. Mittlerweile hat sich das Wetter verschlechtert und Gewitterwolken sind aufgezogen. Wir haben dennoch an unserem Plan festgehalten, auch die anderen Familien mit Biogasanlagen in dem Dorf zu besuchen und stiegen über die vielen Treppenstufen zu ihren Häusern.

Auch im nächsten Haus wurden wir herzlich begrüßt, bekamen Stühle und Milchtee angeboten. Der Hausherr hat uns zunächst von seiner Biogasanlage erzählt, die in letzter Zeit leider nicht mehr gut funktioniert hat. Als herauskam, dass er die Anlage lediglich mit Ziegenköttel speist, war schnell klar, wo das Problem liegt und er versprach, zukünftig auch den Mist seiner Büffel zu verwerten. Dann schweifte er ab und berichtete von seinem Engagement beim Annapurna Marathon, seinem Beruf als Lehrer im Dorf und von seinen Haustieren – Tauben wohlbemerkt – die seine Tochter angeschleppt hat. Auch hier hat mich die ehrliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Familie tief beeindruckt.

Um uns nach der langen Jeepfahrt die Beine zu vertreten, sind wir anschließend den Berghang weiter hoch zum Meshram Barah Tempel gelaufen. Ein streunender Hund aus dem Dorf, der vermutlich die Touristen oft zum Tempel begleitet, lief mit und hat sich als unser Guide ausgegeben. Etwa 30 Minuten später kamen wir oben an. Leider blieb uns aufgrund der Wolken und des einsetzenden Regens der Blick auf die Berge verwehrt. Unser vierbeiniger Guide hat uns daher auch relativ schnell wieder nach unten ins Dorf geführt.

 

Es war kühl geworden auf 2.000 m, der Regen hielt weiter an und das sich bereits anbahnende Gewitter traf ein. Nach einem wärmenden Abendessen im Restaurant unserer Lodge habe ich mich in mein Zimmer verzogen. Strömender Regen prasselte unaufhörlich aufs Dach, Blitze zuckten durch den Himmel, gefolgt von krachendem Donner. Kurze Zeit fiel der Strom aus, was hier jedoch keine Seltenheit ist. Die ganze Nacht über prasselte, blitzte und donnerte es. Später erfuhr ich, dass diese Region bekannt für starke Gewitter ist. Nach einer sehr kurzen Nacht trat ich gegen 6 Uhr auf die Terrasse der Lodge. Als wäre nichts gewesen, präsentierte sich der Himmel in einem strahlenden blau, die Sonne ging gerade hinter der Bergkuppe auf und die weißen Berge des Annapurnamassiv blendeten mich – ein einmaliger Anblick.

Die Fahrt zurück mit unserem Jeep durch den dicken Schlamm und die tiefen Pfützen, die durch den Regen in der letzten Nacht entstanden waren, war fast noch schlimmer als die Hinfahrt am Tag zuvor. Jetzt war ich froh über unseren Jeep und beneidete die vielen Motorroller-Fahrer, die auf dem Weg unterwegs waren, nicht.

Gegen Mittag haben wir Pokhara wohlbehalten und mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen erreicht. Die Ehrlichkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Bauernfamilien, die sich so über unsere Besuche gefreut haben, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Zu Beginn meiner Reise habe ich mir nicht vorstellen können, wie eine einfache Biogasanlage den Bauern hier vor Ort das Leben erleichtern, wohlmöglich sogar verbessern soll. Durch meine jüngsten Eindrücke und Begegnungen mit all diesen herzlichen Menschen, wurde mir jedoch klar, dass die Anlagen wirklich spürbar positive Auswirkung auf das alltägliche Leben der Familien haben. Somit verlasse ich Nepal mit einem sehr guten und zufriedenen Gefühl, sowie der Erkenntnis, dass Unterstützungen durch Hilfsaktionen wirklich dort ankommen wo sie benötigt werden. Es wird definitiv nicht meine letzte Reise in dieses Land voller Lebensfreude gewesen sein – Namasté.

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