Reisemedizinische Vorsorge


1. Vor der Reise

Bereiten Sie sich rechtzeitig vor! Am besten schon 2–3 Monate vor Reiseantritt informieren Sie sich über die in Ihrem Reiseziel benötigten Impfungen und möglichen Gesundheitsrisiken sowie Klimabedingungen. Manche Länder haben sogar eine Impfpflicht, so dass man bei Einreise gewisse Impfungen vorweisen muss. Unter folgender App „Sicher Reisen“ finden Sie aktuelle Information zu ihrem Reiseziel:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/app-sicher-reisen/350382

Weitere Links für länderspezifische Informationen der Reise- und Tropenmedizin:

https://www.dtg.org | https://www.rki.de | https://www.crm.de | https://www.auswaertiges-amt.de

2. Impfungen

Mit ihrem Reisemediziner oder Hausarzt sollten sie die Impfvorschriften und -empfehlungen nach Reiseland, sowie die individuell sinnvollen Impfungen besprechen. Hierzu zählt auch die Überprüfung der Standard- und Indikationsimpfungen.

CHOLERA

Cholera ist eine durch Bakterien verursachte Darmerkrankung, die bei mangelnder Trinkwasser-, Lebensmittel- und Handhygiene auftritt und starke Brechdurchfälle verursacht. Das Risiko als Tourist, an einer Cholera zu erkranken, wird als sehr gering eingeschätzt. Empfehlenswert ist eine Impfung bei Reisen in Gebiete mit aktuellen Ausbrüchen und besonderer Exposition. Für die meisten Reisenden ist eine Choleraimpfung daher nicht notwendig. Bei dem in Deutschland zugelassenen Schluckimpfstoff Dukoral® handelt es sich um einen Totimpfstoff.

Zur Verhütung einer Reisediarrhö mit enterotoxischen Escherichia coli (ETEC) kann die Impfung erwogen werden. Die Impfung ersetzt nicht die gebotenen Maßnahmen zur Nahrungs-und Trinkwasserhygiene.


DENGUE-FIEBER

Denguefieber ist in Asien, Lateinamerika und Afrika weit verbreitet und die häufigste Virusinfektion, die von Mücken Übertragen wird.

Dengueviren werden von tagaktiven Stechmücken übertragen. Eine Denguefieberinfektion äußert sich mit unspezifischen Symptomen, häufig mit grippeähnlichen Symptomen und hohem Fieber.

Die akute Phase klingt nach fünf bis sieben Tagen langsam ab, die Genesung kann sich noch über Tage und Wochen hinziehen. Die Behandlung von Denguefieber ist rein symptomatisch, gegen Dengueviren gibt es weder wirksame Medikamente noch eine Impfung.

Im Falle einer Erkrankung ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig und auf die Gabe von Aspirin und Ibuprofen sollte wegen der Blutungsgefahr verzichtet werden. Wichtigste Maßnahme zur Vermeidung einer Dengue Fieber Infektion ist ein suffizienter Mückenschutz, auch tagsüber.


DIPHTHERIE/ TETANUS

Diese Impfung gehört zu den Standardimpfungen der STIKO, eine Auffrischung ist alle 10 Jahre sinnvoll. Bei fälliger Auffrischung im Erwachsenenalter ist die Gabe von einem Kombinationsimpfstoff für Tetanus, Diphterie, Pertussis, und ggf Polio sinnvoll.


POLIO – KINDERLÄHMUNG

Nach vollständiger Grundimmunisierung sollte im Jugend- und Erwachsenenalter eine einmalige Auffrischung erfolgen. Danach ist eine Wiederimpfung alle 10 Jahre nur bei erhöhtem Risiko z. Bsp bei Reisen in Risikoregionen empfohlen.


FSME

FSME wird durch Zeckenstiche übertragen. Bei Aufenthalten in FSME Risikogebieten Zentraleuropas und Asiens besteht eine Impfempfehlung. Die handelsüblichen Impfstoffe schützen auch gegen den sibirischen und fernöstlichen Subtyps des Erregers.


GELBFIEBER

Gelbfieber stellt eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit dar, Gelbfieberviren werden von Mücken übertragen. Vorkommen in Ländern von Afrika und Mittel- und Südamerika. Es gibt eine wirksame Schutzimpfung.

Einige Länder machen die Gelbfieberimpfung zur Einreisebedingung. Ein gültiger Impfnachweis (= amtliche Gültigkeit) beginnt 10 Tage nach der Impfung.

Nach einmaliger Impfung ist eine Auffrischungsimpfung nicht mehr erforderlich, die Impfung bietet bei den meisten Geimpften einen lebenslangen Schutz. Seit 2016 sind die internationalen Bestimmungen geändert worden, eine Wiederimpfung ist nicht mehr notwendig. Allerdings sind die Bestimmungen in vielen Ländern noch nicht umgestellt, daher ist es sinnvoll bei Reisen in Länder mit Gelbfieber- Impfvorschriften (auch Transit), sich über die jeweiligen aktuellen Vorschriften bei einer autorisierten Gelbfieber-Impfstelle oder der Botschaft des Einreiselandes zu informieren.

Die Impfung darf nur von Gesundheitsämtern und autorisierten Tropenmedizinern vorgenommen werden.


HEPATITIS A

Die Hepatitis A (infektiöse Gelbsucht mit dem Virustyp A) ist eine weltweit, besonders in den Tropen, verbreitete Virusinfektion der Leber. Eine Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch engen sozialen Kontakt (Berührung), durch die Nahrung (z.B. Muscheln), durch infiziertes Wasser oder nichtgekochte Speisen.

Es gibt zuverlässige Impfstoffe, die erste Injektion hinterlässt bereits einen vollständigen Schutz, der aber wahrscheinlich zeitlich befristet ist. Ein Langzeitschutz mit einer zweiten Injektion nach 6-12 Monaten gewährt einen Schutz >25 Jahre. Die Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B ist durch die Gabe eines Kombinationsimpfstoffes möglich (Twinrix®) und erfolgt mittels einem dreimaligem Impfschema.


HEPATITIS B

Die Hepatitis B ist eine Virusinfektion der Leber, die weltweit vorkommt. Die Übertragung von Hepatitis B Viren erfolgt oft sexuell, kann aber auch durch gebrauchte Spritzen und Kanülen, Bluttransfusionen, und beim Tätowieren erfolgen.

Eine Hepatitis B Infektion kann sehr schwer verlaufen und zum Leberversagen und Multiorganversagen führen, der Übergang in eine chronische Hepatitis B Erkrankung ist möglich.

Eine Impfung gegen Hepatitis B gewährt einen guten Schutz, für die Grundimmunisierung braucht man drei Teilimpfungen, die ersten beiden im Abstand von 4-6 Wochen, die dritte nach 6-12 Monaten. Bei nicht ausreichender Zeit bestehen Schnellimpfschemata.

Häufig erfolgt die Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B.


INFLUENZA

Die Influenza ist virale Erkrankung, die über Tröpfen übertragen wird. Epidemien treten alljährlich zwischen Dezember und April auf der nördlichen Welthalbkugel und von April bis Oktober auf der Südlichen Halbkugel auf. Ganzjährig kommt die Influenza in tropischen und subtropischen Regionen vor. Die Impfung, am besten mit einem tetravalenten Impfstoff wird allen Reisenden >60 Jahren, sowie Kindern ab 6 Monaten und Jugendlichen und Erwachsenen mit erhöhtem influenzaassoziierten Komplikationen empfohlen.


JAPANISCHE ENCEPHALITIS

Die Japanische Enzephalitis ist eine Virusentzündung des Gehirns, die im schlimmsten Falle tödlich oder mit anhaltenden Behinderungen verlaufen kann. Die Endemiegebiete reichen von Ostasien über Südostasien bis nach Südasien

Das JE-Virus wird überwiegend von dämmerungs- und nachtaktiven Mücken übertragen, die besonders häufig in Reisanbaugebieten, aber auch in Randgebieten der Großstädte vorkommen. Es gibt einen gut verträglichen Impfstoff IXIARO®, der für Erwachsene und Kinder zugelassen ist. Eine Impfempfehlung liegt vor bei längerfristigen Aufenthalten in Endemiegebieten (Langzeitreisen) und bei Reisen mit erhöhter Expositionsgefahr, z. Bsp. Übernachten im Freien in ländlichen Endemiegebieten, vor allem während der Regenzeit und danach.


MENINGOKOKKEN-MENINGITIS

Die Meningokokken-Meningitis ist eine eitrige Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns durch Bakterien (Meningokokken), die Erkrankung verläuft hochakut und ist lebensgefährlich. Eine antibiotische Therapie bei Erkrankung ist möglich.

Die Ständige Impfkommision (STIKO) in Deutschland empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für Kinder im 2. Lebensjahr. Eine Impfempfehlung mittels einem Kombinationsimpfstoff gegen Meningokokken der Serogruppen A,C,W135,Y liegt bei Reisen in den erweiterten afrikanischen Meningitisgürtel und bei Reisen in Gebiete mit aktuellem epidemischen Ausbrüchen vor. Seit einigen Jahren besteht auch ein Impfstoff gegen Meningokokken B.

Eine Impfpflicht und deren Nachweise mit einem tetravalenten Konjugatimpfstoff besteht z. Bsp. für Saudi Arabien und muss 10 Tage vor Einreise erfolgen, ein Impfschutz besteht für 3 Jahre


TOLLWUT

Tollwut ist eine tödliche Viruserkrankung bei Tieren und Menschen, Die Übertragung erfolgt durch Tierbisse und mit dem Speichel beim Lecken von verletzter oder entzündeter Haut, eine Therapie ist nicht möglich und die Erkrankung verläuft immer tödlich.

In vielen Ländern vor allem in Asien und Afrika ist die Tollwut weiterhin weit verbreitet und ein ernstes Problem.

Eine Impfung vor der Reise bietet den besten Schutz, sie wird an den Tagen 0-7 und 21-28 durchgeführt. Die Dauer der Schutzwirkung wird unterschiedlich gesehen. Die WHO geht bei normalen Reisenden (also keine Hochrisikokontakte) von einem lebenslangen Schutz aus, die Impfstoffhersteller sehen Auffrischimpfungen nach spätestens 5 Jahren vor.

Kommt es zur Exposition mit einem tollwutverdächtigem Tier muss bei Nichtgeimpften unverzüglich mit einer post-expositionellen Impfbehandlung begonnen werden. Die Gabe von Tollwut-Hyperimmunglobulin ist notwendig, die in vielen Ländern nicht oder nur schwierig möglich ist.

Vorgeimpfte erhalten keine Immunglobuline müssen aber nach Kontakt mit dem Tollwutverdächtigem Tier eine erneute Impfstoffdosis erhalten.


TYPHUS

Typhus ist eine bakterielle Erkrankung die fäkal-oral übertragen wird und in Ländern mit Hygienemangel auftritt. Es bestehen Impfstoffe, die allerdings die Impflinge nur bis zu 70% schützen.

Schluckimpfstoffe sind Lebendimpfstoffe und deshalb für manche Reisende nicht geeignet. Injektionsimpfstoffe haben keine besonderen Gegenanzeigen. Zur Vorbeugung von Typhus hilft auch richtiges Verhalten, häufiges Händewaschen, v.a. nach dem Toilettengang und vor dem Essen und das Meiden von nicht frisch gekochten Speisen oder Trinkwasser, das nicht korrekt aufbereitet wurde.


MASERN

Masern ist eine Viruserkrankung, die über Tröpfchen übertragen wird. Die Impfung mit dem Kombinationsstoff für Mumps-, Masern-, Röteln gehört zu den Standardimpfungen der STiKO und wird für alle Länder empfohlen. Es erkranken vorwiegend Kinder. Jugendliche und Erwachsene, die nicht geimpft sind, zeigen oft einen atypischen und schweren Krankheitsverlauf.

3. TIPPS FÜR UNTERWEGS

  • Trinken Sie nie Wasser unbehandelt, auch nicht zum Zähneputzen und verwenden Sie nur Eiswürfel, die sicher mit Trinkwasser hergestellt wurden. Zur Entkeimung und Aufbereitung von Trinkwasser stehen Micropur® Tabletten und Certisil® Tabletten zur Verfügung, sowie Wasserfilter, z.B. Katadyn®.
  • Essen Sie Obst und Gemüse nur geschält und/ oder gekocht.
  • Vorsicht bei ungekochten Nahrungsmitteln wie z. Bsp. rohe Milch oder Eiscreme, und ungenügend erhitzten Meeresfrüchten (Muscheln oder Krabben).
  • Essen Sie nur gekochtes oder gebratenes Fleisch oder Fisch.
  • Achten Sie auf eine gute Händehygiene und auch Küchenhygiene.
  • Beim Baden in nicht ausreichend geklärten Schwimmbädern oder Lagunen können Erreger übertragen werden.
  • Wurmerkrankungen wie die Bilharziose werden v.a. in Binnengewässern übertagen.
  • Vermeiden Sie das Barfuß laufen um Hakenwurmlarven-Infektionen zu vermeiden, vor allem an Stränden in tropischen und subtropischen Ländern, die mit Tierkot verschmutzt sind.

4. MÜCKEN – UND SONNENSCHUTZ

Mücken können Krankheiten übertragen, zu diesen Krankheiten zählen Malaria, Chikungunya -, Dengue-, West Nil-, und Gelbfieber, sowie Zikavirus Infektionen. Mücken stechen meist in der Dämmerung und nachts, allerdings sind die Überträger von z. Bsp. Dengue- und Gelbfieber auch tagaktiv.

Für die meisten der genannten Krankheiten stehen keine Impfstoffe zur Verfügung und im Falle einer Erkrankung kann teilweise nur eine symptomorientierte Therapie erfolgen, daher ist der effizienteste Schutz vor Ansteckung einen Stich zu vermeiden.

Durch folgende Maßnahmen kann das Risiko gestochen zu werden erheblich reduziert werden.

  • Vermeidung von Insektenstichen durch Verwendung von tropischen Repellents mit den Wirkstoffen DEET in einer Konzentration von 30-50% ( z.Bsp. Nobite Hautspray oder Anti Brumm forte) und Icaridin in einer Konzentration von 20-30 % (z.Bsp. Autan tropical, Nobite Haut sensitiv)
  • Tragen von langärmeliger, Insektizid-imprägnierter heller Kleidung
  • Verwendung von Insektizid imprägnierten Moskitonetzen
  • Aufenthalt in Räumen mit Klimaanlage und Fliegengittern.

Für Kinder gelten auf Grund der Wirkstofftoxizität besondere Empfehlungen, Säuglinge unter 6 Monaten können nur mit Moskitonetzen und Kleidung geschützt werden

Denken Sie an einen ausreichenden Sonnenschutz vor allem bei Höhenexposition oder Äquatornähe, Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor (50+) und Sunblocker für exponierte Hautstellen (z.B. Nasenrücken), Kopfbedeckung und atmungsaktive Kleidung (als Sonne- und Hitzeschutz) gehören ins Gepäck.

5. MALARIA

Malaria wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen und verursacht eine akute meist fieberhafte Erkrankung. Insgesamt gibt es vier verschiedene Plasmodien(=Erreger)-Arten, die drei verschiedene Typen von Malaria (Malaria tropica, Malaria tertiana und Malaria quartana) hervorrufen können. Vor allem die Malaria tropica kann einen schweren Verlauf nehmen und ist ein klassischer Notfall der Tropenmedizin. Für alle Malariarisiko-Gebiete gilt ein konsequenter Mückenschutz, zusätzlich erfolgt in Abhängigkeit des Gebiets eine Chemoprophylaxe oder die Mitnahme einer Standby-Medikation zur notfallmäßigen Selbsttherapie.

Eine Risiko/Nutzen-Analyse erfolgt am Besten gemeinsam mit ihrem Tropen- und Reisemediziner. Bei jeder (fieberhaften) Erkrankung während und nach einer Tropenreise sollte an Malaria gedacht werden und eine entsprechende Diagnostik veranlasst werden.

6. NACH DEM URLAUB

Informieren Sie Ihren Hausarzt im Krankheitsfall und bei Routineuntersuchungen über die Auslandsaufenthalte der letzten sechs Monate.

Quelle: Stand: 10. Dezember 2019, Dr. med. Stephanie Bolland