Blumen vor dem Gipfel

Alpamayo-Expedition 2025 – Aufstieg zur schönsten Pyramide der Anden

Ein Bericht von Susanne Kraft von berghasen.com 

Der Alpamayo in der peruanischen Cordillera Blanca zählt zu den schönsten Bergen der Welt: eine schneeweiße, perfekte Eispyramide, steile Wände und geformt von Sonne, Wind und Wetter – ein Traumziel für jede Expedition. Unsere Expedition im Sommer 2025 war lange ein Wunschtraum. Seit ich vor Jahren ein einziges Foto des Alpamayo sah, wusste ich: „Einmal dort oben sein.“ Mit dem DAV Summit Club wurde dieser Traum Wirklichkeit.

Basecamp
Der Berg und seine Geschichte

Mit 5.947 Metern mag der Alpamayo nicht der höchste Gipfel Perus sein, doch seine Form und Eleganz machen ihn legendär. Er liegt im Herzen der Cordillera Blanca, dem „weißen Gebirge“ der Anden nördlich von Huaraz. Lange blieb der Berg relativ unbekannt. Erste Expeditionen scheiterten bis zur erfolgreichen Erstbesteigung 1957. Heute gilt ein Aufstieg über die klassische Ferrari-Route oder die technisch anspruchsvollere French-Direct als Höhepunkt im alpinen Bergsteigen.

Expeditionsablauf – von Huaraz zum Gipfel
Menschen und Esel vor Bergkulisse
Anreise & Akklimatisation

Unsere Reise begann in Huaraz. Eine Woche lang nutzten wir die Zeit zur Akklimatisation mit leichten Wanderungen und Tagestouren bis auf über 5 000 Meter. Die Muskeln wurden warm, der Körper gewöhnte sich an die dünne Luft. Per Bus ging es weiter ins Dorf Cashapampa, Ausgangspunkt des klassischen Santa-Cruz-Treks zum Basislager. Schon hier, zwischen tiefblauen Lagunen, Wasserfällen und steilen Felsflanken, wurde die Landschaft unwirklich schön.

Zelt vor Aconcagua
Zustieg ins Basecamp

In zwei Tagen wanderten wir ca. 25 km über staubige Pfade und grüne Täler bis zum Alpamayo-Basecamp auf rund 4 300 Meter. Esel trugen unser Gepäck, und Koch Cirillo sorgte für gute Stimmung und Energie – bis es ernst wurde. Die erste Nacht im Lager Llamacorral zeigte die Extreme dieser Region: tagsüber tropische Hitze, nachts klirrende Kälte. Beim Zustieg ins Basecamp am nächsten Tag eröffneten sich majestätische Blicke auf Quitaraju, Artesonraju und erstmals auf den Alpamayo selbst.

Gruppe am Seil
Hochlager & technische Vorbereitung

Über das Moränenlager auf 4 900 m ging es weiter ins Hochlager auf 5 500 m. Der Anstieg fühlte sich an wie ein Tanz zwischen Leiden und Staunen: schwere Rucksäcke, mühsame Schritte, doch überall dieses überwältigende Panorama. Im Hochlager spürten wir endgültig, was uns erwartete: dünne Luft und stetiger Respekt vor der steilen Eisrinne, die vor dem Gipfel noch vor uns lag.

Menschen in steiler Eiswand
Gipfeltag – der große Augenblick

Als der Wecker mitten in der Nacht klingelte, war es bitterkalt. Unser Team hatte sich entschieden, die French Direct zu klettern – aufgrund von Eispilzen über der klassischen Ferrari-Route. In völliger Dunkelheit stiegen wir los, nur die Stirnlampen vor uns. Der Bergschrund, der erste Stolperstein, war überwunden, und dann begann der lange, steile Aufstieg durch die eisige Rinne. Je höher wir kamen, desto stärker brannten Lunge und Waden. Doch die aufgehende Sonne verwandelte die Welt um uns: ein Himmel, der von metallischem Blau in feuriges Rot wechselte, und Schneeflächen, die in zartem Gelb leuchteten – ein Moment, der jede Anstrengung wert war. Am Gipfelgrat führte uns der letzte Abschnitt über ausgesetzte Meter in grandioser Stille. Dann war es geschafft: Wir standen am Gipfel des Alpamayo. Unter uns ein Wolkenmeer, der Blick auf unzählige Eisriesen der Cordillera Blanca – ein Augenblick, der ewig scheint.

Gipfelerklimmer
Abstieg & Rückkehr

Am späten Vormittag des Gipfeltags seilten wir ab und kehrten ins Hochlager zurück, wo uns unser Team mit Umarmungen empfing. Der Abstieg ins Basecamp am selben Tag fühlte sich an wie eine weitere Expedition – unendlich schön und zugleich erleichternd. Mit den Eseln an unserer Seite ging es zurück Richtung Llamacorral, wo uns der Gedanke an Kisten Bier und eine legendäre Partynacht erwartete – ein würdiger Abschluss dieser Alpamayo-Expedition.

Technik, Herausforderung und Faszination

Was diese Expedition so besonders macht, sind nicht nur die Höhenmeter, sondern die Mischung aus Trekking, technischer Kletterei und Natur pur. Steile Eisrinnen bis 80 Grad, lange Tagesetappen und die dünne Luft fordern Kondition, Technik und Nerven. Aber genau darin liegt auch die Faszination: Berge, die anders sind als die Alpen, Landschaften, die atemberaubend wirken, und Momente, die sich einbrennen. Vom Santa-Cruz-Tal bis zum Gipfelgrat des Alpamayo.

Warum Alpamayo eine Reise wert ist

Der Alpamayo ist mehr als ein Berg. Er ist ein Symbol für Schönheit, Herausforderung und Abenteuer. In Bergsteigerkreisen gilt er seit Jahrzehnten als einer der schönsten Gipfel weltweit – nicht wegen seiner Höhe, sondern wegen seiner unvergleichlichen Form und der Geschichten, die er schreibt. Unsere Alpamayo-Expedition 2025 war ein Erlebnis voller Emotionen: Schwitzen und frieren, leiden und staunen, an Grenzen gehen und sie überwinden. Am Ende bleibt nicht nur der Gipfel, sondern die Erfahrung selbst – eine, die mich und alle Teilnehmer tief geprägt hat.

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