Gemeinsam reisen, separat wandern
Bei den Twin-Angeboten des DAV Summit Clubs gibt es täglich eine gemütliche und eine anspruchsvollere Tour. Gerade für Paare mit unterschiedlichen Ambitionen ist das ideal.
Text: Franziska Haack
Am Anfang der Erfolgsgeschichte stehen – wie könnte es auch anders sein – die Drei Zinnen. Nach Toblach, dem Tor zu den Sextener und Pragser Dolomiten, führte die erste Twin-Reise des DAV Summit Clubs. Zwölf Jahre ist das her, seitdem ist das Angebot stetig gewachsen. »Fast jedes Jahr kam eine weitere Reise dazu«, erzählt Marie Kaiser aus der Abteilung Operation & Sales Alpen beim DAV Summit Club. »Das liegt auch an der eifrigen Nachfrage einiger Stammkundinnen und -kunden, die sich immer wieder erkundigt haben, ob wir nicht etwas Neues im Programm haben.« Aktuell gibt es zehn Summit-Club-Reisen nach dem Twin-Konzept. Was aber ist das Besondere an den Twin-Angeboten? Sie finden unter Leitung von zwei Bergwanderführerinnen oder -führern statt, die jeden Tag eine anspruchsvollere und eine einfache oder kürzere Tour anbieten. Die Teilnehmenden entscheiden täglich nach Verfassung, Laune und generellem Können beziehungsweise Kondition, welcher Tour sie sich anschließen. Beim Twin-Klassiker Toblach können die Teilnehmenden beispielsweise einmal zwischen zwei verschieden langen Wanderungen am Karnischen Kamm oder zwischen Strudelkopf (2307 m) und Dürrenstein (2839 m) wählen. Die Touren unterscheiden sich nur, was Höhenmeter und Gehzeiten angeht, nicht aber in Bezug auf den wunderschönen Dolomiten-Blick. Auch den berühmten Nordwänden der Drei Zinnen kommen beide Gruppen am letzten Tourentag ganz nah – nur eben auf unterschiedlichen Wegen.
»Die Twin-Reisen richten sich an Paare oder Freunde, die gemeinsam verreisen wollen, sich aber bei Ausdauer und alpinem Können zu sehr unterscheiden, als dass beide bei einer normalen Reise auf ihre Kosten kommen würden«, erklärt Marie Kaiser. Natürlich sind auch Einzelpersonen willkommen. Oft wissen diese nicht so recht, wie sie sich selbst einstufen sollen und bekommen bei den Twin-Reisen mit den unterschiedlichen Angeboten ein besseres Gefühl für ihre eigenen Fähigkeiten. »Selbstüberschätzung ist ein Thema, mit dem wir bei anderen Reisen und Touren immer wieder zu tun haben«, sagt Lisa Brinkmann, Abteilung Produktmanagement Alpen beim DAV Summit Club. »Bei den Twin-Reisen lässt sich das gut auffangen. Zwar liegt es auch hier in der Eigenverantwortung der Gäste, sich für eine Gruppe zu entscheiden. Aber wenn es an einem Tag nicht ganz gepasst hat, wählt man am nächsten eben die andere.« Das sei gut fürs eigene Selbstwertgefühl und für die Homogenität der Gruppe. Bei anderen Programmen müsse sich immer die ganze Gruppe nach der schwächsten Person richten. »Dabei kommen die Stärkeren mitunter zu kurz«, sagt Brinkmann. Und ihre Kollegin Marie Kaiser ergänzt: »Manche wollen gern in eine Region, haben aber Respekt vor einem bestimmten Gipfel dort.«
Wie etwa vor der Besteigung der Zugspitze, die den Höhepunkt des ebenfalls sehr beliebten Twin-Programms in der Region Seefeld darstellt. Wer nicht über das Gatterl auf die Zugspitze wandern möchte, kann mit der Bahn hinauffahren und so trotzdem gemeinsam mit den anderen Teilnehmenden auf Deutschlands höchstem Gipfel stehen. An den anderen Tagen wandert ein Teil auf den Hohen Kranzberg, während der Rest auf den anspruchsvollen Wörner kraxelt. Oder beide Gruppen wandern gemeinsam durch die Gleirschklamm in einem ruhigen Teil des Karwendel, wobei die eine Gruppe noch einen Gipfel anhängt und die Tour bis zum Zäunlkopf verlängert. »Es kommt häufig vor, dass alle gemeinsam starten und die eine Gruppe dann auf einer Hütte bleibt oder einfach an einem gewissen Punkt umdreht«, sagt Marie Kaiser
Dass die Twin-Reisen in der Regel Stützpunkt- basiert sind, hat verschiedene Vorteile. »Nicht schaffen, gibt es nicht«, wie Lisa Brinkmann sagt. Es gibt keinen Druck, fixe Etappen meistern zu müssen, um zur nächsten Unterkunft zu kommen. Untergebracht sind die Teilnehmenden in guten Hotels oder Berggasthöfen mit mehr Komfort als auf kleinen Berghütten. So kann man auch mal einen Tag Wellness einschieben, es gibt genügend Einzel- und Doppelzimmer für alle, die keine Lust auf Geschnarche im Matrazenlager haben oder Zweisamkeit schätzen. Und es ist einfacher, auf Wünsche wie besondere Ernährungsgewohnheiten oder Allergien einzugehen. Alles Punkte, die dazu beitragen, dass die Twin-Reisen so gut ankommen. Ein Standort, der seit seiner Aufnahme ins Programm 2016 sehr beliebt ist, ist die Bieler Höhe. Die Teilnehmenden schätzen die abgeschiedene Lage am Silvretta-Stausee. »Dort ist man die ganze Zeit oben, direkt am Berg, wie auf einer Schutzhütte. Aber es ist ein wunderschönes Hotel mit gutem Essen und tollem Wellness-Bereich«, fasst Lisa Brinkmann zusammen. Zudem gebe es eine große Tourenauswahl in allen Schwierigkeiten. Die im Programm gelisteten Wanderungen sind übrigens nur Vorschläge. Vor Ort entscheiden die Bergwanderführerinnen und -führer je nach Verhältnissen und Teilnehmenden, was wirklich unternommen wird. Denn es gebe auch Gäste, die dieselbe Reise mehrmals buchten. Für diese haben die Guides dann schon mal ein neues Schmankerl in petto.
Zuletzt wurde das Angebot mit Twin-Konzept auch auf Fernreisen ausgedehnt: Nepal, Peru und der Kilimandscharo zum Beispiel. Bei den Fernreisen ist der Wanderanteil tendenziell geringer. Land und Leute kennenzulernen, nimmt mehr Platz ein als bei den Touren im Alpenraum. Klar, man will bei einer weiten Reise ja auch etwas über die Kultur des Landes lernen. Statt einfacher Touren gibt es deswegen eher Ausflüge zu Ausgrabungsstätten, Märkten oder religiösen Orten. Abends beziehungsweise beim Kilimandscharo erst nach dessen Besteigung durch die eine Gruppe, trifft man sich wieder und kann sich über die Erlebnisse austauschen. »Es ist ein bisschen wie bei einer Klassenfahrt«, schmunzelt Marie Kaiser. Dadurch, dass die Gruppe insgesamt größer sei, finde man auch leichter jemanden, mit dem man sich gut versteht, oder kann Leuten, bei denen die Wellenlänge nicht ganz passt, einfacher ausweichen. Auch das trägt zu einem gelungenen Urlaub bei. Bei allen Angeboten des DAV Summit Clubs steht das Berg- und Naturerlebnis als solches und nicht die Jagd nach einem bestimmten Gipfel im Vordergrund. Bei den Twin-Reisen ist dies nochmal verstärkt, wie Lisa und Marie betonen. »Durch die unterschiedlichen Angebote ist der Leistungsdruck geringer. Und es ist auch kein Problem mal einen Tag am Pool zu liegen oder einfach nur einen Spaziergang unten im Tal zu machen. Es geht schließlich darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu haben und in der Natur zu entspannen.«
