Unter Frauen
Ob Alpenüberquerung oder Skitour: Bei den Frauenreisen des DAV Summit Clubs gehen Bergsteigerinnen ihren Weg ohne Druck und bestärken sich dabei gegenseitig.
Text: Astrid Därr
Dieser Artikel ist auch im Bergsteiger erschienen.
Einmal quer über die Alpen wandern, ganz entspannt, mit guten Gesprächen und gegenseitigem Verständnis. Davon träumen sicherlich viele bergbegeisterte Frauen. Doch für manche bleibt es ein Traum, denn sie trauen sich nicht, einfach eine Gruppentour zu buchen. Was, wenn die anderen Teilnehmer viel fitter sind als ich? Wird mir der Rucksack zu schwer? Muss ich unterwegs abbrechen, wenn der Anspruch und der Gruppendruck zu hoch werden? Solche Fragen stellen sich Frauen wahrscheinlich eher als Männer, wenn sie an ihre erste Alpenüberquerung denken. Um wanderfreudigen Frauen ein entspanntes Reiseerlebnis unter Gleichgesinnten zu ermöglichen, bietet der DAV Summit Club Reisen exklusiv für Frauen an. Eine der beliebtesten Touren ist die siebentägige Alpenüberquerung vom Königssee bis zu den Drei Zinnen.
Diese Alpenüberquerung mit kurzen Bustransfers in den Tälern ist ein Klassiker, gilt aber trotzdem als wesentlich weniger frequentiert und ruhiger als der berühmte E5. Die abwechslungsreiche Wanderwoche führt von Anfang bis Ende – von den Berchtesgadener Alpen bis zu den Dolomiten – durch spektakuläre Landschaften. Die Gruppe von acht bis zwölf Teilnehmerinnen startet am ersten Tag nach einer aussichtsreichen Schifffahrt über den Königssee mit dem Aufstieg zum Kärlingerhaus. Bereits am ersten Tourentag sind 1100 Höhenmeter bergauf zu bewältigen, doch die Bergwanderführerin gibt in der steilen Saugasse ein moderates Tempo vor, sodass sich alle gut einlaufen können.
In den Folgetagen steigen sie zwischen 700 und knapp 1300 Höhenmetern auf und wandern maximal acht Stunden. Schon die Kulisse beim Kärlingerhaus (1630 m) lässt alle Sorgen vergessen: Der glitzernde Funtensee liegt, eingerahmt von einer grünen Bergkulisse, direkt vor der Haustür. Am zweiten Tag steht die Überquerung des Steinernen Meers auf dem Programm. Beim stetigen Auf und Ab über das Karstplateau schweift der Blick in die Weite. Nach einer Pause am Riemannhaus geht es hinunter in Richtung Maria Alm und mit dem Bus weiter zur Großglockner-Hochalpenstraße. Die nächste Nacht verbringen die Bergsteigerinnen in der urigen Trauneralm (1530 m).
Bei den Wanderungen ohne Leistungsdruck wird der Geist immer ruhiger. »Es gibt so viele Witze darüber, dass Frauen so furchtbar viel reden. Ich empfinde die Frauenreisen eher als ruhig«, erzählt Karin Haslböck, Bergwanderführerin für den Summit Club. »Außerdem ist immer ein sehr respektvoller Umgang miteinander zu spüren.« Gerade das solidarische und harmonische Miteinander, bei dem sich jede auch mal Schwächen eingestehen darf, schätzen die Frauen. »Die gemeinsame Zeit steht mehr im Vordergrund als der Druck, einen Gipfel zu erreichen. Trotzdem sind die Frauen fokussiert und unterstützen sich gegenseitig«, erzählt Karin weiter. Denn eine Alpenüberquerung erfordert nicht nur eine sehr gute Kondition, sondern bei Schlechtwetter auch mentale Stärke.
Am dritten Tag führen alpine Pfade ins Hochgebirge und über die Pfandlscharte (2665 m) zum Glocknerhaus. Schon hier eröffnen sich die ersten Ausblicke auf den Großglockner. Noch schöner wird das Panorama am vierten Tag auf dem Wiener Höhenweg. Der Höhepunkt der Reise ist die Besteigung des Großen Degenhorns (2946 m) in den Villgratner Bergen am fünften Tag: Über den teilweise schmalen, blockigen Grat erreicht die Gruppe den Gipfel und blickt zum ersten Mal bis zu den Dolomiten. Als weiterer Aussichtsgipfel steht der Marchkinkele (2545 m) auf dem Programm. Nach der erfolgreichen Überschreitung des Alpenhauptkamms erleben die Bergsteigerinnen zum Abschluss noch die Drei Zinnen und die »bleichen Berge« von ihrer schönsten Seite. Von dort geht es mit dem Bus zurück nach Berchtesgaden.
Für Bergsteigerinnen, die auch im Winter mit einer reinen Frauencrew unterwegs sein möchten, bietet der Summit Club außerdem einen viertägigen Tiefschnee- und Skitouren-Grundkurs auf dem gemütlichen Kreuzeckhaus im Wetterstein an. Unter Anleitung einer Bergführerin lernen Anfängerinnen und Wiedereinsteigerinnen den Reiz des Skitourengehens kennen. Dazu gehören Techniktipps für Aufstieg und Abfahrt auf und neben der Piste sowie ein LVS-Training und Lawinenkunde in Theorie und Praxis. Mit den Fellen unter den Skiern können die Teilnehmerinnen dann ihre ersten Wintergipfel wie den Stuibenkopf (1942 m) und den Bernadeienkopf (2144 m) erklimmen.
Deutlich anspruchsvoller sind die Gipfel auf der viertägigen Skitourenreise im Ortlergebiet rund um die Zufallhütte (2264 m). »Für diese Touren braucht man schon eine gute Kondition und Skitourenerfahrung «, sagt Birgit Heiland, Produktmanagerin beim Summit Club. »Aber das ist einfach ein tolles Gebiet und die Stimmung auf der liebevoll geführten Hütte mit Blockhaus-Sauna ist ganz besonders«, schwärmt sie. Wenn das Wetter und die Bedingungen passen, besteigen die Tourengeherinnen gleich drei Südtiroler Dreitausender mit Ski: die Madritzschspitze (3265 m), die Butzenspitze (3300 m) und den Monte Cevedale (3778 m). Zur Belohnung gibt es traumhafte Abfahrten von bis zu 1500 Höhenmetern. Gemeinsam und mit gegenseitiger Unterstützung haben Frauen eben noch mehr Power.
