Norwegen

Zwischen Fjorden, Gipfeln und Wasserfällen

Mit Bergwanderführerin Kathrin Pesch unterwegs im norwegischen Filefjell

Weite Fjelllandschaften, stille Seen, alte Königswege und die schneebedeckten Gipfel des Jotunheimen am Horizont: Bergwanderführerin Kathrin Pesch führt unsere Gäste durch eine der faszinierendsten Wanderregionen Norwegens. Das Besondere daran? Sieben Nächte bleiben wir in derselben gemütlichen Unterkunft und entdecken von dort jeden Tag eine andere Facette des Filefjells. Kathrin erzählt, was sie an dieser Reise begeistert – von „norwegischen Kilometern“, die man besser in Aufmerksamkeit als in Metern misst, von Waffeln am See, Begegnungen mit Rentieren und jener besonderen Stille, die schon auf dem Weg von Oslo in die Berge beginnt.

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Ankommen – und den Alltag hinter sich lassen

Schon die Fahrt vom Flughafen Oslo ins Landesinnere gehört für mich zu dieser Reise. Schneller, als man den Stadtmensch in sich stillstellen kann, verschwindet der Lärm. Vor den Fenstern ziehen Felder und Wasser vorbei, einzeln stehende Häuser und sanfte Hügel. Die Fahrt dauert rund viereinhalb Stunden. Unser Quartier liegt auf rund 900 Metern Höhe am Südeingang des Jotunheimen-Nationalparks. Hier bleiben wir die gesamte Woche. Der Koffer kann in den Schrank wandern, denn von nun an zählt nur noch, was in den Tagesrucksack passt. Genau das mag ich an dieser Reise: Wir müssen nicht ständig weiterziehen. Stattdessen haben wir Zeit, eine Region wirklich kennenzulernen. Beim ersten gemeinsamen Abendessen beginnt dann auch das, was für mich zu jeder geführten Wanderreise dazugehört: Aus Menschen, die sich morgens noch nicht kannten, wird langsam eine Gruppe.

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Børrenøse: Der erste Blick auf unsere Wanderwoche

Der erste Wandertag beginnt so, wie vieles in dieser Woche funktioniert: direkt vor der Haustür. Unser Ziel ist der 1.297 Meter hohe Børrenøse. Kein schwieriger Gipfel, aber ein ungemein lohnender.  Beim Abstieg Richtung Tenla suchen wir uns am Fluss einen schönen Platz fürs Picknick. Später folgen wir dem Wasser bis zu jenem See, den wir kurz zuvor noch vom Gipfel betrachtet haben.  Gemächlich geht es zurück zur Unterkunft – und wer möchte, lässt den ersten Wandertag anschließend in der Sauna ausklingen.

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Über den Filefjell-Grat

Eine kurze Busfahrt bringt uns am nächsten Tag zum Ausgangspunkt. Nach einem knackigeren Anstieg erreichen wir den Filefjell-Grat. Von nun an geht es stetig auf und ab – mal sanft, mal etwas anspruchsvoller. Ich nenne sie gerne „norwegische Kilometer“: Kilometer, die man nicht nur in Metern misst, sondern in Aufmerksamkeit. Links liegt das offene Fjell mit Wasserflächen, dunklem Gestein und Schafen zwischen niedrigen Kräutern und Gräsern. Dahinter taucht immer wieder das Jotunheimen auf. Rechts schweift der Blick hinunter ins weite Filefjell und zurück zum Børrenøse. Diese Landschaft ist wild und gleichzeitig Kulturlandschaft. Menschen leben, arbeiten und bewegen sich hier seit Generationen. Besonders schön finde ich am Abend den Blick vom Hotel: Dann liegen Børrenøse, Filefjell-Grat und Hødntind vor uns. 

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Auf dem Kongevegen durch die Jahrhunderte

Ein ganz anderer Wandertag erwartet uns auf dem historischen Kongevegen, der alten Königsstraße zwischen Ost- und Westnorwegen. Wir starten in Seltún und folgen zunächst dem Fluss. Schon bald wird deutlich: Heute wandern wir nicht nur durch Landschaft, sondern durch Geschichte. Uralte, mächtige Ulmen säumen den Weg. Normalerweise sind es Gipfel, die einen klein fühlen lassen. Hier schaffen das Bäume. Und wenn am Wegesrand die Himbeeren reif sind, gehört das Probieren natürlich dazu. Alte Gehöfte begleiten unseren Weg, bevor wir eines der eindrucksvollsten Teilstücke erreichen: die Vindhella. Ihre Serpentinen wurden kunstvoll in den Fels gebaut. Am Ende wartet die berühmte Stabkirche von Borgund. Dunkel, filigran und beinahe wie ein versteinertes Drachenschiff steht sie vor uns. Zwischen den Himbeeren am Morgen und dieser Kirche liegen nur wenige Stunden – und ungefähr tausend Jahre. Für mich ist dieser Tag ein wunderbarer Kontrast zu unseren Gipfeltouren: ein Genusstag, an dem Landschaft und Kulturgeschichte ineinander übergehen.

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Ein freier Tag – und die Qual der schönen Wahl

Zur Mitte der Woche gehört ein Tag, den unsere Gäste individuell gestalten können. Und das ist bei dieser Reise tatsächlich Teil des Konzepts. Je nach Angebot und persönlichen Vorlieben lässt sich die Umgebung auf ganz unterschiedliche Weise erleben: sportlich in den Bergen, auf dem Fahrrad oder vom Wasser aus. Eine meiner liebsten Möglichkeiten ist eine Tour mit dem E-Bike hinaus zum Tyin-See und weiter bis zur DNT-Hütte Fondsbu am Bygdin-See. Dort gehören Waffeln und Kaffee am Wasser einfach dazu.

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Hødntind: Drei Landschaften auf einen Blick

Mit dem 1.452 Meter hohen Hødntind wartet ein weiterer Höhepunkt der Wanderwoche. Nur eine kurze Fahrt trennt unsere Unterkunft vom Ausgangspunkt am Südufer des Tyin-Sees. Dann geht es hinauf. Oben angekommen, schauen wir über das weite Filefjell mit seinen Seen. Nach Norden erhebt sich das Jotunheimen. Die „Heimat der Riesen“ ist jetzt keine ferne Silhouette mehr, sondern unmittelbare Nachbarschaft. Besonders markant zeigt sich der schneebedeckte Uranostind. Nach Süden wiederum fällt der Blick ins üppig grüne Valdres mit seinen Seen und Bauerndörfern.

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Utladalen: Wo selbst der Regen zur Landschaft gehört

Auch das Utladalen zeigt noch einmal eine völlig andere Seite Norwegens. Die gewaltige Schlucht reicht tief in die Bergwelt des Jotunheimen hinein, während ringsum Gipfel von teilweise mehr als 2.000 Metern Höhe aufragen. Auf dem Vettisvegen wandern wir durch üppigen Birkenwald. Farne, Eisenhut, Baldrian, Engelwurz, Heidelbeeren und Moose säumen den Weg. Besonders eindrucksvoll kann das Tal sogar bei Regen sein. Dann treten schwarze Holzhäuser aus dem Nebel hervor, die Moose leuchten, und der Wald bekommt etwas Mystisches und Verwunschenes. Norwegens Wetter kann dieser Landschaft ohnehin wenig anhaben. Es fügt ihr lediglich neue Farben hinzu. 

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Warum ich immer wieder gerne ins Filefjell zurückkehre

Was ich an dieser Reise besonders mag, ist die Mischung. Wir haben ein festes Quartier und müssen nicht jeden Morgen unsere Sachen packen. Gleichzeitig fühlt sich kaum ein Wandertag wie der vorherige an. Wir stehen auf aussichtsreichen Gipfeln, wandern über offene Fjelllandschaften und historische Wege, entdecken grüne Täler, Wasserfälle und jahrhundertealte Kultur. Vielleicht ist es genau das, weshalb ich diese Tour so gerne führe. Man kommt nicht einfach ins Filefjell, wandert eine Woche und fährt wieder nach Hause. Mit jedem Tag wird aus einer Landschaft etwas Vertrautes.

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