MIT DEM SNOWBOARD RICHTIG AUF TOUREN KOMMEN - UNTERWEGS MIT DEM SPLITBOARD

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Bisher bedeutete Snowboarden für mich tatsächlich hauptsächlich Piste und nicht Gelände. Ich hatte schlichtweg zu viel Respekt und zu viele Bedenken, um mich weiter als 5 m von ausgewiesenen Pisten zu entfernen. LVS Gerät? Lawinenlagebericht? Hangneigung? Alles Begriffe, die ich schon oft gehört habe, aber mit denen ich mich noch nicht intensiv genug auseinandergesetzt hatte, um ins Gelände zu gehen.

Die Verlockung ist aber zu groß, denn mittlerweile zieht es mich weg vom Pistenrummel hin zum perfekten Naturerlebnis. Raus aus der Komfortzone – rein in die Natur. Die Kombination aus Aufstieg und Abfahrt find ich total spannend – die Frage ist nur wie und wo soll ich anfangen? Und was gilt es alles zu beachten?

Letztendlich musste ich nicht lange überlegen, welcher Kurs aus dem Summit Club Angebot für mich infrage kommt: Mit dem Snowboard richtig auf Touren kommen – ein Snowboard Tourenkurs für Einsteiger. In 4 Tagen lernt man die Basics des Tourengehens mit dem Snowboard, angefangen beim Umgang mit dem LVS Gerät bis hin zur Tourenplanung. Und das nicht in Pistennähe, sondern direkt in der Umgebung der Lizumer Hütte in den Tuxer Alpen. Der ideale Stützpunkt, um das das Gelernte direkt in der Praxis auf kleineren Touren umzusetzen.

Unsere achtköpfige Gruppe traf sich am ersten Tag in Wattens, fuhr bei leichtem Schneefall zum Parkplatz und wurde von dort mit dem Hüttentaxi direkt zu Lizumer Hütte gebracht (was für ein Service!). Bei der Begrüßungsrunde wenig später wurde deutlich, dass in unsere Gruppe einige Touren-Neulinge, aber auch Snowboarder/innen dabei waren, die schon einige Touren gegangen waren. Insgesamt schien die Gruppe aber sehr homogen zu sein, was sich auch im Laufe des Kurses bestätigte. Unser Snowboard Guide Markus hat uns den Plan für die kommenden Tage vorgestellt, die Splitboards verteilt und den ersten Umgang damit erklärt. Um am nächsten Tag direkt starten zu können, haben wir die Boards schon abends aufgefellt. Das anschließende Abendessen war genial. Hüttenwirt Anton und seine Frau haben uns in den 3 Tagen stets mehr als satt bekommen. An einem Abend wurden wir fast alle zu Vegetariern – könnte mit den (6!) leckeren Spinatknödeln zusammengehangen haben.

Der Freitagmorgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Nach einem guten Frühstück ging es gestärkt los. Im flachen Gelände in Hüttennähe haben wir nach erfolgreichem LVS Partnercheck die LVS Suche intensiv geübt. Anschließend sind wir eine kleine Tour zum Kleinen Reisennock gegangen. Unterwegs wurde natürlich weiter geübt – Spitzkehre normal – Spitzkehre mit Kick – Harscheisen anschnallen – Harscheisen abziehen…so ging es immer weiter bis zum Gipfel. 

Oben angekommen ist der Kopf frei und der Ausblick überwältigend. Blauer Himmel und schneebedeckte Gipfel soweit das Auge reicht. Das Umbauen des Splitboards bedarf einiger Übung und dauerte bei uns allen am Anfang etwas länger. So waren unsere Schneeschuhgeher, die ihr Snowboard am Rucksack befestigt hatten, eindeutig schneller abfahrtbereit. Die Abfahrt war leider nicht ganz so spaßig, wie ich es mir zuvor vorgestellt hatte, dafür aber ideales Übungsgelände, da wir uns auf oft wechselnde Schneeverhältnisse einstellen mussten.

Die etwas späte Mittagspause verbrachten wir in der Lizumer Hütte bei Knödelsuppe und / oder Apfelstrudel – einmalig! Das Wetter meinte es nach wie vor gut mit uns und so schlug Markus vor, eine kleine Nachmittagstour zu unternehmen. Fast die ganze Gruppe hatte noch Kraft und Bock und so liefen wir westwärts bis zu einem kleinen Schlepplift. Jetzt machten sich die Vorteile des Splitboards bemerkbar: es ging leicht bergab und so konnten wir unsere Skiskills auspacken, während die Schneeschuhgeher Mühe hatten hinterher zu stapfen. Die knapp 300 Höhenmeter bis zur Bergstation des Schlepplifts bewältigten wir dann alle ohne Probleme und auch bei der anschließenden Abfahrt hatten alle sichtlich Spaß. Schwierig für uns als Snowboarder war der relativ flache Auslauf zurück zur Hütte – da mussten wir dann ein bisschen laufen.

Der Abend war sehr gemütlich mit wieder einmal sehr leckerem und ausreichendem Abendessen für die Kraftreserven, einer kurzen Nachbesprechung des ersten Tourentags, einer gemeinsamen Tourenplanung für den nächsten Tag und einer kleinen Theorieeinheit über Lawinenkunde. 

Auch der Samstag zeigte sich wettertechnisch von seiner besten Seite. Für heute stand eine etwas längere Tour auf Torspitze, 2663 m an – nach erfolgreichem LVS Partner Check ging es los. Dass sich das Wetter zwischendurch etwas zuzog, tat der Tour keinen Abbruch. Unterwegs wurde wieder geübt, geübt, geübt…Triebschnee erkennen, Alarmzeichen richtig deuten und die Hangneigung einschätzen. Das Umbauen der Splitboards am Gipfel funktionierte heute schon deutlich besser. 

 

Nachmittags stand dann eine weitere Einheit LVS Training an – diesmal wurde die Zeit gestoppt. Da nach 15 Min das Überlebensrisiko bei Verschütteten rasant sinkt, sollten wir unter 10 Minuten bleiben. Im Wettkampfmodus war das natürlich noch einmal eine andere Geschichte und man musste sich wirklich konzentrieren, um die Grobsuche – Feinsuche – Punktortung – und Ausgraben ordentlich auf die Reihe zu bekommen. Wir haben es aber im Endeffekt gut geschafft und fühlen uns nun ein wenig sicherer und besser vorbereitet.

 

 

Am letzten Abend haben wir nach der üblichen Nachbesprechung und Tourenplanung für den nächsten Tag, die wir wieder gemeinsam mit den Infos aus dem Lawinenlagebericht und von Markus erarbeitet haben, einen gemütlichen Spieleabend in der Hütte verbracht. Das Auffellen gehörte mittlerweile zu unserer abendlichen Routine, damit wir am nächsten Morgen zeitig starten können. Besonders am Wochenende ging es nämlich morgens in der Hütte ziemlich trubelig zu.

Auch für uns war der Sonntagmorgen etwas stressiger, da wir unser Gepäck packen und zusammenstellen mussten. Um 9 waren wir jedoch alle startklar und nach erfolgreichem LVS Partnercheck ging es erneut los Richtung Westen zu dem Militärschlepplift, an dem wir schon am Freitag vorbeigelaufen waren. Sonntag war es ziemlich bewölkt und sehr windig. Daher gingen wir erstmal 1 Std durch bis zu einer verlassenen Hütte, die uns etwas vor dem Wind schützte. Hier gab es eine letzte Gruppenaufgabe. Wir sollten als Gruppe eine Verschütteten-Suche koordinieren, d.h. Aufgabenverteilung, einer nimmt das Kommando in die Hand und auf geht’s. Mit ein paar Schwierigkeiten haben wir es sogar in einer sehr guten Zeit geschafft, alle LVS Geräte auszugraben – ein Lob an das Team!

Weiter liefen wir bergauf bis zur unbenannten Scharte, unser „Gipfelziel“ des Tages. Hier mussten wir im stürmischen Wind unser Splitboard umbauen und aufpassen, dass uns kein Handschuh oder Fellsack wegflog. Herausforderung gemeistert und schon ging es bergab durch den teils fluffigen Schnee. Weiter unten war es ohne den Wind deutlich angenehmer und so machten wir halt für den letzten Ausbildungsteil unseres Kurses: Schneeprofil! Wir haben einen Schneeschacht gegraben bis zum Boden und haben uns den Schneedeckenaufbau angesehen – total interessant. 

Wir fuhren noch ein bisschen weiter durch den Wald und kamen dann auf eine Rodelbahn, die uns zum Parkplatz führen sollte. Leider war der Schnee hier unten schon etwas geschmolzen, aber mit kurzen Schwüngen kamen wir am Rand der Straße auf den Schneeresten gut vorwärts.

Die 4 Tage gingen super schnell vorbei. Es war eine wirklich tolle und interessante Erfahrung. Wir haben viel gelernt und hatten auch noch Glück mit dem Wetter. Markus ist ein super Guide, der sich für alle unsere Fragen und Anliegen viel Zeit genommen hat und unsere Gruppe war echt klasse. Ich kann den Kurs wärmstens empfehlen und möchte mich abschließend bei Markus und meinem Team für die tolle Zeit bedanken – vielleicht bis zum nächsten Jahr!

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