La Palma

Viele Klimazonen, eine Inselwelt

Die faszinierenden Mikroklimata der Kanaren

Morgens durch feuchten Lorbeerwald wandern, mittags über karge Vulkanlandschaften steigen und am Nachmittag die Sonne über dem Atlantik genießen – auf den Kanaren ist all das an einem einzigen Tag möglich. Denn Passatwinde, hohe Berge und die Lage im Atlantik schaffen auf kleinstem Raum ganz unterschiedliche Mikroklimata.

Kanaren
Warum das Klima so abwechslungsreich ist

Eine wichtige Rolle spielt der Nordostpassat. Feuchte Atlantikluft trifft auf die Bergflanken der Inseln, steigt auf und bildet Wolken und Nebel. Besonders die Nord- und Nordostseiten der höheren Inseln sind deshalb häufig grüner und feuchter. Im Windschatten der Berge kann es dagegen deutlich trockener und sonniger sein. Für Wandernde bedeutet das: Schon hinter dem nächsten Bergrücken kann eine völlig andere Landschaft warten.

La Palma
La Palma: eine Insel voller Kontraste

La Palma zeigt besonders schön, wie stark Höhenlage und Exposition die Landschaft prägen. Von der Atlantikküste steigen die Berge innerhalb kurzer Distanz bis auf über 2.000 Meter an. Auf Wanderungen wechseln sich subtropisch anmutende Vegetation, Lorbeerwald, Kanarische Kiefern und die kargen Hochlagen rund um die Caldera de Taburiente und den Roque de los Muchachos ab. Der Kontrast zwischen den feuchteren Regionen und den trockeneren Inselteilen ist dabei deutlich zu spüren. Mal wandert man unter einem dichten grünen Blätterdach, wenig später über sonnenbeschienene Vulkanhänge mit weitem Blick über den Atlantik.

Teneriffa
Teneriffa: vom Wolkenmeer zum Teide

Noch größer sind die Höhenunterschiede auf Teneriffa. Der Teide erhebt sich bis auf 3.715 Meter und ist damit der höchste Berg Spaniens. Die Berge teilen die Insel klimatisch regelrecht auf. Während die Passatwolken häufig an den Nordhängen hängen bleiben, präsentieren sich andere Inselregionen wesentlich trockener. Wer vom grünen Norden in Richtung der Teide-Hochlagen unterwegs ist, durchquert deshalb innerhalb weniger Stunden ganz unterschiedliche Landschaftsräume. Ein besonderes Erlebnis ist der Blick von oben auf das sogenannte Wolkenmeer: Unterhalb liegt eine geschlossene Wolkendecke, darüber erheben sich die Vulkanlandschaften des Teide in trockener, klarer Luft.

La Gomera
La Gomera: Wandern im Nebelwald

Eine der eindrucksvollsten Landschaften der Kanaren findet sich auf La Gomera. Im Nationalpark Garajonay hat sich ein großer Bestand des immergrünen Lorbeerwaldes erhalten. Wolken und Nebel sorgen hier regelmäßig für hohe Feuchtigkeit. Moose überziehen Äste und Stämme, Farne säumen die Wege und knorrige Bäume formen einen Wald, der fast verwunschen wirkt. Dass diese Vegetation heute noch existiert, ist eng mit dem Mikroklima der Höhenlagen verbunden. Der Lorbeerwald ist ein Relikt einer Vegetationsform, die vor Millionen Jahren in weiten Teilen des Mittelmeerraums verbreitet war. Eine Wanderung durch Garajonay fühlt sich deshalb manchmal eher nach Urwald als nach einer Insel vor der afrikanischen Küste an.

Die Kanaren zu Fuß erleben

Gerade beim Wandern lassen sich die Mikroklimata besonders intensiv erleben. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Vegetation verändern sich mit jedem Höhenmeter – und manchmal innerhalb weniger Kilometer. Das macht die Kanaren weit mehr als zu einem klassischen Sonnenziel. Wer die Inseln zu Fuß entdeckt, erlebt auf einer Reise überraschend viele unterschiedliche Landschaften und Klimazonen. Vielleicht liegt genau darin ihr besonderer Reiz: Man reist auf eine Insel – und wandert durch verschiedene Welten.

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