Schild des Deutschen Alpenvereins mit Hinweis auf alpine Gefahr

Trittsicherheit

Was bedeutet Trittsicherheit, wie trainiert man diese und wo sind die Abgrenzung zwischen einer Wanderung und einer Bergtour?

Was ist Trittsicherheit?

Der Begriff Trittsicherheit wird häufig im alpinen Kontext verwendet, ist jedoch in der Fachliteratur nicht genau definiert oder einheitlich beschrieben. Oftmals wird er auch in einem Atemzug mit der Schwindelfreiheit genannt, was auch nur bedingt korrekt ist. Hierauf gehen wir aber später noch genauer ein. Vorerst probieren wir den Begriff ein wenig genauer zu definieren.

Die Fähigkeit der Trittsicherheit wird im Groben wie folgt beschrieben: 

  • sich im unwegsamen Gelände sicher zu bewegen
  • Füße & Tritte werden dabei gut gesetzt, sodass diese sicher stehen
  • Witterungsverhältnissen (Nässe, Schnee & Co.) wird Beachtung geschenkt und es werden entsprechende Anpassungen am Gang vorgenommen
  • Basis für die meisten Berg- Wanderungen & Touren

Als Grundvoraussetzung für diese Fähigkeit wird gesehen: 

  • Koordination 
  • Reaktionsvermögen 
  • Gleichgewichtssinn
  • Einschätzung des Untergrundes = wo sind gute Tritte & Griffe 
  • Einschätzung der eigenen Leistungs- & Konzentrationsfähigkeit 
  • Gutes & griffiges Schuhwerk mit entsprechender Sohle

Bei der Technik im Bezug auf die Trittsicherheit sollte folgendes beachtet werden: 

  • Ganzen Fuß aufsetzen
  • Knie leicht gebeugt 
  • Kraft kommt primär aus dem Oberschenkel 
  • Oberkörper aufrecht 
  • Stöcke als Unterstützung fürs Gleichgewicht nur wo dringend benötigt 
    (bestenfalls möglich wenig verwenden, da so der Tritt besser geschult wird)

In technisch anspruchsvolleren Abschnitten, die ab dem Schwierigkeitsgrad T3 und aufwärts beginnen, kommt ebenfalls der Faktor Schwindelfreiheit hinzu. Wege ab diesem Schwierigkeits-Niveau werden zunehmend ausgesetzter oder sind häufiger im absturzgefährdeten Gelände angesiedelt. Viele Leute sind zwar trittsicher, bekommen aber mit zunehmender Ausgesetztheit, steilen Passagen oder im Absturzgelände ein mulmiges Gefühl, welches sich dann auf die Trittsicherheit auswirkt. Die Konzentration lässt nach, bzw. schwenkt um auf die Höhenproblematik und lässt die Trittsicherheit gleichermaßen stagnieren, auch wenn der eigentliche Weg technisch nicht zwingend anspruchsvoller geworden ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei steigender Höhenangst die Trittsicherheit unweigerlich ebenfalls abnimmt, weshalb die zwei Begrifflichkeiten oftmals im Einklang genannt werden. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Begriff Trittsicherheit nicht so einfach abgehandelt werden kann wie oft getan. Viele Einflussfaktoren ergeben am Ende das Gesamtbild der Trittsicherheit. Aber wer jetzt noch über keine gute Trittsicherheit verfügt, muss nicht gleich den Kopf in den Sand stecken – Trittsicherheit lässt sich trainieren und ausbauen.

Wie trainiert man Trittsicherheit?

Die gute Nachricht ist, dass sich Trittsicherheit trainieren lässt und das nicht nur direkt am Berg! Es gibt zahlreiche Übungen, die eigene Trittsicherheit auch in flachen Gefilden zu trainieren. 

Folgende Maßnahmen können sich positiv auf die Fortbewegung im alpinen Gelände auswirken:

Balancieren auf einem Balken als Gleichgewichts-Übung

Training im Flachen – Simulation Berggelände:

Berglandschaften bzw. alpines Gelände zeichnet sich oftmals durch wurzelige, steinige und kieselige Eigenschaften aus. Diese können ebenfalls gut simuliert werden, durch zum Beispiel: 

  • Holzplanken
  • Schwebebalken
  • Bordsteinkaten
  • Kieselsteine
  • Steine in einem Bachbett

Trainiert man das Gehen und Steigen auf diesen Untergründen, so verbessert sich parallel das Verständnis für diese und ebenfalls die Augen-Fuß-Koordination, die beim Steigen im bergigen Gelände von großer Bedeutung ist. 

Joggen ist ein ideales Grundlagen Ausdauer-Training

Ausdauer- und Grundlagentraining: 

Ebenfalls steigert Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren, Schwimmen und Co. das Herzkreislauf-System. Hierdurch ist es möglich über einen längeren Zeitraum die Konzentrationsfähigkeit aufrecht zu erhalten, da euer Körper an die Belastungen gewohnt ist. Auch hierzu erfahrt ihr mehr im Artikel zum Ausdauertraining

Das beste Training findet natürlich nach wie vor am Berg selbst statt, in dem man sich langsam von leichten bis hin zu schweren Wanderungen steigert und so laufend seine Trittsicherheit verbessert. 

Krafttraining stabilisiert den Körper durch Muskelaufbau

Krafttraining für eine stabile Rumpf-Muskulatur: 

Wohnt man zentral in einer Großstadt und kann daher kaum oder nur eingeschränkt in der freien Natur zu trainieren, so kann man auf  klassisches Krafttraining zurückgreifen. Dieses lässt sich zuhause oder in einem Fitnessstudio absolvieren. Durch die Verbesserung der Rumpfmuskulatur und des Bewegungsapparates, gerät man automatisch in eine bessere Haltung und auf Pfaden verbessert sich das Gleichgewicht. Mehr dazu findet ihr in unserem Artikel zum Krafttraining

Bergschuh auf eine Felsen als Symbol für Trittsicherheit
ein Selbsttest...
Bin ich trittsicher?

Beantworten Sie die folgenden Fragen ehrlich und zählen Sie alle Punkte des Fragenkatalogs zusammen. Die Summe der Punkte gibt Aufschluss darüber, wie es um Ihre Trittsicherheit steht. 

Fragenkatalog
1) Ich komme auf technisch schwierigen (roten & schwarzen) Wanderwegen gut zurecht?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
2) Meine Fortbewegung am Berg erfolgt ohne Schwanken und Straucheln, auch ohne den Einsatz von Stöcken?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
3) Auch auf nassen Untergründen kann ich mich steht auf meinen Tritt verlassen?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
4) Auch auf langen Wanderungen (5h Gehzeit & mehr) habe ich am Ende noch ein gutes Gleichgewicht und kann mich noch gut konzentrieren?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
5) Bekomme ich meine Füße auch im technisch anspruchsvollen Gelände gut und sicher aufgesetzt?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
6) Behalte ich auch in schwierigen Etappen die Nerven und kann mich dabei vollkommen auf meine Tritte verlassen?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
7) Ich komme in Etappen mit losem Untergrund, wie z.B. in Geröllfeldern gut zurecht?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
8) Ein schmaler werdender Steig bereitet keine mir Schwierigkeiten?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
9) Ich merke, dass auf ausgesetzten Pfaden meine Trittsicherheit nicht nachlässt und kann mich nach wie vor gut konzentrieren meine Tritte sicher zu setzen?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
10) Leichte Kraxel-Einheiten bis in den 1. Schwierigkeitsgrad sind für mich kein Problem?
trifft überhaupt nicht zu 1 Punkt 
trifft weniger zu 2 Punkte
trifft zu 3 Punkte
trifft voll zu 4 Punkte
trifft voll und ganz zu 5 Punkte
Gesamtpunkte geben Aufschluss über die eigene Trittsicherheit:
45 - 50 Punkte sehr gute Trittsicherheit
35 - 45 Punkte gute Trittsicherheit
25 - 30 Punkte mittlere Trittsicherheit
15 - 25 Punkte ausbaufähige Trittsicherheit
0 - 15 Punkte stark ausbaufähige Trittsicherheit
Ist es noch es noch eine Wanderung, oder bereits eine Bergtour?

Die Differenzierung zwischen einer Wanderung und einer Bergtour ist nicht ganz einfach und immer fließend, weshalb eine klare Abgrenzung oft schwierig ist. 

Allgemein lässt sich jedoch festhalten, dass beim Bergsteigen ebenfalls einfache Kletterstellen bis zum 2. Grad gemeistert werden und schmale Steige, sowie wegloses Gelände bewältigt werden muss. Alle diese Anforderungen werden jedoch ohne technische Hilfsmittel bewältigt. Hinzu kommt, dass man in unterschiedlich anspruchsvollem Gelände unterwegs ist wie z.B.: 

  • auf anspruchsvollen Bergwegen
  • auf einfachen und flachen Gletschern
  • in einfachem Schrofengelände
  • im Fels mit kurzen Passagen bis zum II. Grad
  • auf Klettersteigen (A/B)

Alles bis zu diesem Bereich wird als Wandern deklariert, alles darüber hinaus als Klettersteig, Klettern, Hochtour oder Bergtour.

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