Mit Sirdar Keshap um den Dhaulagiri - Trekkingreise Zurück zur Übersicht

Der langjährige DAV Summit Club-Bergführer Leo Lieb berichtet über den ehemaligen Sirdar Keshap - der sich als Chef der einheimischen Mannschaft auf dem Trekking "Rund um den Dhaulagiri" fachlich und menschlich als absolutes Vorbild erwiesen hat.

Von einem vorbildlichen nepalischen Bergführer

Heute möchte ich Ihnen nicht über das Glücksgefühl nach der Besteigung eines hohen Gipfels oder den erfolgreichen Abschluss einer langen Trekkingfahrt, das ehrfürchtige Staunen vor Kunstwerken fremder Kulturen oder den neugierigen Wissensdrang beim Beobachten fremder Tiere oder Pflanzen berichten. Nein, ich erzähle von einem  nepalischen Sirdar. Er heißt Keshap, war energisch bei der Durchsetzung seiner Anweisungen, fürsorglich zu seinen Untergebenen und ebenso fürsorglich und hilfsbereit zu seinen Gästen, kurzum ein wahrlich vorbildlicher nepalischer Bergführer.

Wir schrieben das Jahr 2000 und planten die großartige Trekking-Fahrt "Rund um den Dhaulagiri“. Vor dem Start zur großen Fahrt ging Keshap durch Pokhara um noch einen oder zwei Träger anzuwerben. Da trat am Marktplatz ein Mann auf ihn zu, den er kannte, weil er schon einmal Träger bei ihm war. Dieser Mann erzählte von seinem furchtbaren Schicksal. Er war Bauer und Familienvater in der Nähe von Pokhara. Im Sommer 2000 warder Monsun besonders heftig. Die sintflutartigen Regenfälle führten zu einem gewaltigen Erdrutsch, bei dem der Bauer sein gesamtes Land und sein Haus verlor. Nur seine Familie, Vater, Mutter, Ehefrau eine 12-jährige Tochter,  ein 14-jähriger Sohn und ein zwei Monat altes Baby, sowie er selbst, konnten sich retten.

Der Mann bat nun Keshap, ob er ihn und die gesamte Familie als Träger anstellen könnte. Alle könnten, wenn auch verständlich mit unterschiedlichen Leistungen, etwas tragen. Keshap stimmte dem Wunsch des Mannes zu, brauchte jedoch dazu auch meine Genehmigung.

Am späten Nachmittag kam Keshap zu mir und trug vor. Ich hatte natürlich auch die Lage zu beurteilen. Hier die wahrlich arme Familie, dort unser Ziel, aber auch eine Verantwortung für die Kinder der Familie, speziell das Kleinkind. Nach kurzem Bedenken stimmte ich unter der Bedingung zu, dass die Familie vor dem Dhampus-Pass, 5250 m, umkehrt. Die Gesamtüberschreitung erschien mir mit dem Kleinen zu riskant. Damit waren alle einverstanden. 

Am nächsten Morgen bot sich uns schon  bei der Verteilung der Lasten ein zu Herzen gehendes Schauspiel. Keshap überwachte den Vorgang. Der junge Ehemann trug die normale Last, vielleicht ein wenig mehr, das brachte Geld, der alte Vater und die alte Mutter trugen ebenso ein ordentliches Paket. Nun kam die Mutter. Auch sie schleppte eine nicht geringe Last in einem Korb und oben drauf lag das kleine Baby weich und warm eingebettet. Auch die beiden älteren Kinder trugen ihre Last, der Bub die Apotheke, darauf war er berechtigt stolz.

So zogen wir mehrere Tage mit vielen Höhenmeter Richtung  Dhaulagiri. Alles klappte vorzüglich, die Familie stellte absolut keine Behinderung dar.  Als wir aber ca. einen Tag unter dem Italo-Camp waren, stellte sich bei dem Säugling eine Erkältung ein. Jetzt war die Stunde der sofortigen Entscheidung gekommen. Keshap meldete mir die Lage. Wir waren beide der Überzeugung, dass die Familie mit dem Kind gleich am nächsten Morgen ins Tal absteigen musste. Keshap hatte ein Reservezelt dabei das er der Familie zur Verfügung stellte. Bei der Einweisung in die Situation kam von den Kunden der Vorschlag, für die Familie zu sammeln. Dies war natürlich eine sehr gute Idee.

In kurzer Zeit kamen ca.  400,- DM zusammen, die ich am Morgen der Familie noch zustecken konnte. Die Geschichte ging gut aus: Das Baby verbrachte eine ruhige Nacht. Es kam bald in wärmere Zonen. Die Familie hatte sich mit viel gemeinsamer Anstrengung Geld als Träger verdient. Und von uns bekam sie auch noch einen kleinen „Zuschuss“, den sie dankbar annahm. Anerkennung und Hochachtung galt jedoch Keshap, demvorbildlichen nepalischen Sirdar.

Nachbemerkung: Keshap führt nicht mehr. Aber Vorbild ist er in meinen Augen noch immer. Er ist mit seiner Familie nach Hongkong gezogen und arbeitet dort als Hausmeister, seine Frau ist Putzfrau und seine Kinder bekommen eine ordentliche Schulausbildung.

                                                                                                          Leo Lieb

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