Inkagold: Wege der Zeit

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Vier Tage Trekking nach Machu Picchu

Tawantinsuyu: Reich der Inka. Begründet von Manco Capac um 1200. Es hatte seinen Höhepunkt unter Huayna Capac 1525. Nur 325 Jahre waren die Inka-Herrscher gottgleiche Kaiser im "Reich der vier Weltgegenden".

Nervenstränge im Inka-Reich, das sich von Quito im heutigen Ecuador bis in den Süden Chiles erstreckte, waren die Straßenverbindungen, deren Gesamtlänge auf 20.000 km geschätzt wird. Einer dieser kunstvoll konstruierten Pflaster- bzw. Treppenwege durch Urwald und über mehrere Pässe führte von der Hauptstadt Cuzco nach Machu Picchu.

Die goldgierigen Spanier fanden diesen Zugang glücklicher- bzw. rätselhafter Weise nicht. Und so blieb es dem hawaiianischen Archäologen Hiram Bingham vorbehalten, 1911 die "Verlorene Stadt" (wieder) zu finden. Der als Inka-Trail heute bei Trekkern weltberühmte Pfad aus dem Urubambatal nach Machu Picchu wurde erst 1942 entdeckt.

Es ist ein unvergesslicher Glücksmoment, wenn man als Wanderer nach vier durchaus fordernden Etappen von oben her durch das Sonnentor schreitet und das Weltkulturerbe mit dem markanten Felssporn Waynapicchu plötzlich aus dem Blickwinkel des Kondors tief unter sich liegen sieht. Hal-en, Häuser, Heiligtümer, die von alters her über unzählige Terrassen herrschen, hoch über dem gischtenden Urubambafluss.

Am "Kilometer 82" ist's vorbei mit der Bequemlichkeit. Die Busfahrt ist hinter der Festung Ollantaytambo im heiligen Tal der Inka zu Ende. Startpunkt für das Zelttrekking. Träger in roten Ponchos teilen sich das auf 10 Kilo pro Person reduzierte Gepäck. Dazu kommen die Zelte, Waschschüsseln, Küchen-krimskrams. Die Kontrolle von Permit und Pass ist akribisch, Die Zahl der Inka-Trekker streng limitiert.

Auf schwankender Hängebrücke balanciert man über den Urubamba-Fluss, an dessen Hochufer der Inka-Trail flach und technisch leicht beginnt – mit fantastischem Rückblick auf die Veronica, 5750 m. Das erste Zeltcamp – natürlich mit vorgeschriebenem Öko-Chemie-Clo ist das Lager Huayllabamba, 3130 m. Es wird am späten Nachmittag erreicht. Der Koch kredenzt Tee. Später serviert man im Messezelt ein fast feudales, dreigängiges Abendessen.

Früh am nächsten Morgen geht es weiter. Einreihen in den Strom der Träger und Trekker. Unter Bromelien – am Bach entlang – über Hunderte von Treppen hinauf zu hoch gelegenen Lama-Almen. In ei-ner Mulde, wo es fast windstill ist, blubbert eine kräftige Nudelsuppe auf dem Gaskocher: "Doping" für den Schlussanstieg  zum 4200 m hohen "Abra Warmiwanusqua", dem Pass der toten Frau. Die höchste Hürde auf dem Trail. Highend Inkaweg.

Steile Treppen und feuchte, rutschige Steinplatten fordern Vorsicht bergab. 650 anstrengende Höhenmeter bis zum Lagerplatz Pacamayo, 3600 m. Ging der Aufstieg an die Kondition, trifft der Abstieg die Oberschenkelmuskulatur. Jede Gruppe hat ihre reservierte Zelt-Terrasse. Es gibt nicht mehr Trekker als Plätze. Die Zeit, wo man sich um die Lagerplätze streiten bzw. rechtzeitig reservieren musste, ist längst vorbei. Waschräume und einfache sanitäre Anlagen gibt es auch.

Beim Aufstieg zum Runturacay-Pass, 3896 m, am nächsten Morgen, nach sehr kühler, feuchtnebeliger Nacht, ist die Inka-Raststation Runturacay erster Besichtigungspunkt. Hier machten die Melde-läufer Station. Treppauf-treppab ging und geht es in Richtung Machu Picchu, über insgesamt drei Pässe, auf den uralten Wegen. Boten waren hier in eiligem Auftrag unterwegs, Soldaten, Bauern, Sonnenpriester. Imaginäre Begegnungen. Zeitsprünge.

Die 500 Jahre alte, gemauerte Trasse – für uns heute so etwas wie ein Traumpfad der Sehnsucht – schlängelt sich durch Bergurwald. Ein Labyrinth überwucherter Treppen, Mauern und Türme verbirgt die Inkaburg Sayaqmarca. Schwindelerregende Extrawege zu kleinen Ausgucken und Heiligtümern, immer neue Serpentine und Treppen. Was für eine Leistung, solche Straßen zu bauen. Ohne modernes Gerät, wohlgemerkt.

Das dritte Nachtlager steht direkt am "dritten Pass", 3690 m. Malerisches Zeltcamp über der Inkaruine Phuyupatamarca. Die "Stadt über den Wolken". Der Brunnen mit gutem Trinkwasser sprudelt noch immer. Mystische Abendstimmung. Tief drunten pfeift der Zug. Die Lichter von Aguas Calientes scheinen sich am Firmament zu spiegeln.

Wolkenlos beginnt der letzte Wandertag. Die Mannschaft kredenzt den "Morning-Tea" auf dem Minigipfel über dem Camp. Cordillera Vilcabamba und die mächtigen Wände der Veronika. Erst legt sich nur ein zarter rosa Schimmer über die hohen Berge, dann steigt die Sonne mit Strahlenfüßen über die schimmernden Grate.

Dann stehen zum letzten Mal Schüsseln mit warmem Wasser bereit, und kurz darauf das Frühstück. Heute im Freien. Es gibt frische Pfannkuchen mit Honig. Was für ein Auftakt für diesen Tag der Tage, der satte 1000 Höhenmeter Abstieg bringt.

Konzentriertes, achtsames Gehen ist nötig. Die Stufen sind allesamt unterschiedlich hoch. Immer wieder traben Träger in Badelatschen im Eiltempo vorbei. Taschenlampen erhellen den Inkatunnel, dann lohnt der Tiefblick in das grün klaffende Tal des Urubamba wieder die Mühen. Lunch in Winay-Wayna, fantastische Anlage mit Terrassenfeldern, Häusern und Bewässerung.
Wie verwunschen liegen Steinbäder mit kunstvollen Steinmetz-Arbeiten im satten Grün. Noch einmal ein Stück Wegs durch Bergurwald. Farne, Bromelien, Bambus. Orchideen in paradiesischer Vielfalt. Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte.

Dann die letzten steilen Treppen, und der selbst erarbeitet, lange ersehnte Blick durch das Sonnentor auf das tief unten liegende Machu Picchu. Was für ein erhebendes Gefühl, sich diesen unvergesslichen Anblick mit den eigenen Füßen auf einem herrlichen Trekking, im Rahmen einer faszinierenden Kultur-Wanderreise selbst erarbeitet zu haben.

Eher unscheinbar, leicht zu übersehen, ist der heiligste und bedeutendste Punkt der gesamten riesigen Stadtanlage: über eine Treppe – was sonst – gelangt man zum "Intiwantana", dem Ort, wo die Sonne angebunden ist. Der aus einem Felssockel herausragende Granitblock diente astronomischen Zwecken. Sonnenlauf, Tageszeit, Sternbilder und Planetenbahnen konnten damit verfolgt bzw. berechnet werden.

Die Neigung des Granitzeigers steht im Bezug zum Äquator, die Scheitelpunkte fixieren die Himmelsrichtungen. Das "Greenwich" der Inka. Maß des Lebens. Wege der Zeit. Von der Sonne bestimmt. 
                                                                                                 

                                                                                            Christoph Thoma

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