Komforttrekking auf alten Inkawegen

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Öko-Komfort-Konzept Mountain Lodges of Peru

Ausatmen und konzentriert wieder einatmen. Schon beim Treppensteigen reduziert sich das Tempo auf das einer Schnecke. Die dünne Luft in 3.800 Metern Höhe am Titicaca See macht sich deutlich bemerkbar und ist die beste Akklimatisierung für das bevorstehende Salkantay Trekking bei dem eine Höhe von knapp 4600 Metern angesteuert wird. Einen Sprung in den See kann man schlichtweg vergessen, denn die Wassertemperatur liegt bei nur acht bis zwölf Grad. "Que frio!"
 
Der nächste Tag dient der Akklimatisation und beginnt mit einer Bootsfahrt auf dem Titicaca See. Das Anden-Meer schmiegt sich in die karge, braune Landschaft des Altiplano und am Horizont türmen sich die schneebedeckten Sechstausender der Königskordilliere Boliviens auf. Mitten im See leben die "Urus", Indios, auf schwimmenden Inseln. Diese sind zwei bis drei Meter dick und werden aus Binsen geflochten und müssen immer wieder "restauriert" werden. Die Frauen tragen traditionell kleine Hüte und vier Röcke in kräftigen Farben übereinander. Ihre Handarbeiten sind begehrte Souvenirs. 

Mit dem Bus geht es am nächsten Tag über den 4.338 Meter hohen Pass La Raya. Das ist schon einmal ein Vorgeschmack auf die zu erwartende Höhe. Nach diesem "Höhenreiz" geht es allerdings in Richtung Cuzco bergab. Auf den  Weiden grasen Lamas und Alpakas. Ein Stopp bei den Ruinen von Raqchi. Wahrscheinlich aus der Vorinkazeit. Auf dem kleinen Markt vor den Ruinen kann man nach Herzenslust einkaufen. Feilschen gehört dazu und macht Spaß. Die nächste Station ist die Kirche San Pedro Apostal: sie heißt nicht umsonst die "Sixtinische Kapelle" der Anden. Der freskengeschmückte Innenraum ist einzigartig. Die Wandmalereien in kräftigen Farben stellen die Wege zum Himmel und zur Hölle dar.

Im Bergdorf Mollepata - nach zwei reichhaltigen Kultur-Akklimatisationstagen in Cuzco - beginnt das Trekking. Das Gepäck wird auf Mulis verfrachtet, so dass jeder Teilnehmer nur seinen Tagesrucksack tragen muss. Die erste Etappe geht über Wiesen aufwärts und dann gemächlich auf der Mauer des alten Kanals entlang. Nach etwa vier Stunden ist die Salkantay-Lodge in 3900 Metern Höhe erreicht. Nein, das ist keine einfache Berghütte, sondern ein vier Sternehotel. Es gibt gas- und solarbeheizte Doppelzimmer mit Dusche und einem Wärmflaschenservice. Zum Komfort gehört auch ein Jacuzzi, der die Muskeln nach der Wanderung lockert. Traditionelle Inka Architektur ist auf gelungene Weise mit modernen Elementen kombiniert und in die Landschaft eingepasst. Die Aussicht auf den schneebedeckten Salcantay, dem Unbesiegbaren, mit 6.270 Meter ist majestätisch. Komfort mit Ökologie Hand in Hand.

Bei einem kräftigen Gewitter am späten Nachmittag freut sich jeder auf die Behaglichkeit der Lodge. Vergessen sind die sonst beim Trekking üblichen Übernachtungen im Zelt. Mate de Coca soll die Höhenanpassung erleichtern. Also trinkt jeder pflichtgemäß ein paar Tassen. Zum Abendessen gibt es Bier. Nein, es handelt sich nicht um einen ernsten Anfall aufkommender Halluzination, es gibt wirklich "Erdinger Weißbier". Am offenen Feuer greift Pepe, der peruanische Bergführer, der perfekt Deutsch und Englisch spricht, zur Gitarre und singt ein paar rhythmische Lieder. Für den nächsten Tag verspricht er einen Ruhetag mit "Spaziergang". So ruhig wird es dann aber doch wieder nicht. Aus dem Spaziergang wird ein Aufstieg mit fast vierhundert Höhenmetern, bis zur Lagune des Humantay, nur so als Übung für den morgigen Passübergang. Die Kulisse ist atemberaubend. Hoch oben am Himmel lässt sich ein Kondor vom Wind tragen. Im smaragdgrüne Wasser der Lagune spiegelt sich der Humantay mit seinem Eispanzer.

Alles oder nichts ist das Motto des nächsten Tages. Start morgens um sieben Uhr. Der Weg führt an Hochalmen vorbei auf denen schwarz-weißes Jungvieh grast. Es geht ans Eingemachte. Die Höhe und ein paar Serpentinen auf dem steilen Handelsweg fordern. Das Schlusslicht der Gruppe bildet Paulino, mit seinen Mulis, die das Gepäck tragen. Ganz beruhigend für die Trekker sind die drei mitgeführten „Emergency Horses“. Falls ein Wanderer es doch nicht schafft, kommt er aufs Pferd.

Das Atmen fällt schwer und der Schritt wird schleppender. Viele Steinmännchen zeigen von Weitem schon den Passübergang an. Dann endlich, 4.560 Meter, der Apachetapass ist erreicht. Uno, dos, tres, passo – eins, zwei, drei, Pass –  Pepe beglückwünscht jeden in der Gruppe, alle haben es geschafft. Keiner musste aufs Pferd. Es schneit ein wenig, deshalb fällt die Trinkpause nur kurz aus. Bis zur Huayrac Lodge, die 3700 Meter hoch liegt, geht es nur noch knapp zwei Stunden bergab. Und wieder sind wir vom Komfort der Lodge begeistert.

Der Abstieg führt auf dem alten "Inka-Trail" ins Colpapampa-Tal. Die Landschaft verändert sich und nimmt Dschungelcharakter an. Ein kleiner Kiosk am Weg lädt zu einer ausgedehnten Pause ein. Es gibt zur Freude aller, Mineralwasser, Coca Cola, die unwahrscheinlich süße Inka Cola oder ein Cusqueña, ein frisches Bier. Zur Colpa Lodge, 2850 m, geht es noch einen kleinen Gegenanstieg hinauf. Abends gibt es "Pachamanca", das Nationalgericht: Fleisch, Kartoffeln und Gemüse werden zwischen Steinen in der Erde gegart. Dadurch ist das Fleisch ganz zart, da es gleichzeitig gebacken und gedämpft ist.

Der Abstieg zur vierten Lodge führt zuerst 300 Höhenmeter bergauf und dann 800 Höhenmeter an einem Fluss bergab. Mit geschultem Blick entdeckt Pepe im grünen Dickicht des Hochlanddschungels Orchideen. Hunderte von orange-schwarzen Schmetterlingen sitzen wie berauscht auf Pferdeäpfeln und man muss aufpassen, dass man nicht auf die Pferdeäpfel tritt und damit zugleich auf die Schmetterlinge. Das Trekking ist beendet. Geländewagen warten schon. Träger übernehmen das Gepäck. Unzählige Stufen führen an einer Kaffeerösterei vorbei zur Lucma Lodge in nur noch 2175 Meter Höhe und entsprechend mildem Klima.

Der nächste Tag beginnt mit einer Fleißaufgabe. Mit einem Aufstieg von 600 Höhenmetern geht es zur Inkaruine am Pallayata-Pass. Bei jedem Schritt abwärts ins Urubamba-Tal wird es schwüler und die Landschaft tropischer. Bananen wachsen am Weg. Von einem Wasserfall ist es dann nur noch ein kurzes Stück zum Bahnhof. Der Zug wartet schon. An kleinen Ständen bieten Frauen Souvenirs und warme Gerichte an. Die Zugfahrt bis Aguas Calientes, dem Ausgangsort zur Machu Picchu Besichtigung, vergeht wie im Flug.

Tief liegende Wolken hüllen früh morgens die Ruinen gespenstisch ein. Man weiß noch immer sehr wenig von der erst 1911 entdeckten "Verlorenen Stadt". Die Besichtigung der weitläufigen,terrassierten Anlage ist wie ein Spaziergang in die Geschichte.. Faszination pur. Die Besucher kommen aus der ganzen Welt und die Alpakas, die als Rasenmäher tätig sind, stellen den Bezug zur Gegenwart her.

Bei der Weiterfahrt im Zug nach Cuzco betätigen sich die Schaffner als Mannequins und führen Produkte aus Alpakawolle vor. Sie erhalten tosenden Beifall. Cuzco, die historische Inkahauptstadt, liegt auf etwa 3.300 Metern Höhe und war das Zentrum des Riesnreichs. Im Sonnentempel fallen die riesigen fugenlosen verbundenen Granitblöcke auf. Nicht einmal ein Fingernagel passt in die Ritzen. Wie diese massiven Steine beim Bau transportiert wurden, kann man nur vermuten.

Am Rückflugtag beeindrucken in Lima bei einem Besuch im Goldmuseum berühmten Goldschätze. Das Innere der Tempel war einst tapetenartig mit Gold verkleidet und zeugte vom  unermesslichen Reichtum der Inka. Da sie nicht über Schriftzeichen verfügten, existieren keine Aufzeichnungen, sodass Fantasie und Legendenbildung viel Raum geboten wird.

                                                                                              Gabi Dräger

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