28.05.2015
Nepalesisches Tagebuch #5 und #6: Hagelsturm in Pokhara

Um die wenige Zeit möglichst optimal zu nutzen trennen sich heute unsere Wege. Zusammen mit unserer Partneragentur geht Markus an die Detailplanung  für den Herbst. Ich bin heute nach Pokhara aufgebrochen: Im Ort und an den Hotels sind keine bis minimalste Beschädigungen zu sehen und das Leben geht hier seinen normalen Gang. Selbst Touristen sieht man hier auf den Straßen und die Dinge scheinen in Ordnung.

Besuch der Fishriver Lodge
Während des Mittagessens verdunkelt sich der Himmel schlagartig und auf dem Weg in Richtung Fishriver Lodge wird der Wind zum Sturm und der Sturm zum Orkan. Wir geraten in einen heftigen Hagelsturm. Schilder, Dächer, Bäume und vieles andere was nicht irgendwie gesichert oder festgezurrt ist, fliegen durch die Luft. Der Hagel wechselt sich ab mit dichtem Regen und die Sicht ist gleich Null. Ein erster Vorbote, der auf den nahenden Monsun vorbereiten will? Die Lodge ist super schön - auch wenn der Hagelsturm die Stromleitung gekappt hat.

Tag #6 – letzter Erkundungstag vor der Rückreise nach Deutschland


Frühes Aufstehen um 06:00 Uhr und nach einem Kaffee geht es zur Erkundungswanderung ins Oberdorf. Anders als die Lodge sind große Teile des Dorfs zerstört. Auch hier erstaunt zum einen die merkwürdige, uns sehr willkürlich erscheinende Verteilung der Schäden, zum anderen, dass die Zerstörung erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird. Viele Häuser sehen von Außen völlig intakt aus, sind im Inneren aber kaum noch begehbar. Wir dürfen uns in den Gebäuden ein wenig umsehen. Das Dorf und die Lodge sind aber auch zu einer Art Symbiose geworden und unserem Partner muss man an dieser Stelle einfach ein großes Kompliment machen, wie er es versteht, die lokalen Nachbarn einzubinden und auszubilden. Das Moment einer nachhaltigen Einbindung der Bevölkerung wird hier ebenso wie bei den Lodges im Everest-Gebiet sehr konkret und unkompliziert umgesetzt.  Die Nachbarschaft  ist intensiv in das touristische Projekt integriert.


Unser Partner berichtet auch von Schwierigkeiten der neuen Generation am Beispiel zweier Mädchen aus dem Dorf, die kurzzeitig in der Lodge gearbeitet haben. Eine geförderte Schuldbildung hat bei ihnen Erwartungen an ein Leben geschürt, das hier abseits auf dem Land schwer zu leben ist. Die jungen Mädchen haben nun andere Erwartungen an Ihr Leben, als es das einfache Dorfleben oder einen Job in der Lodge bieten kann. Eine „Karriere“ in Kathmandu ist Ihnen aber bei dem extrem schwierigen Arbeitsmarkt in Kathmandu noch verstellt. So sind diese Mädchen in ein Loch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gefallen. Diese Geschichte sensibilisiert uns dafür, dass externes Engagement auch immer die Gefahr birgt, lokale Strukturen zu zerstören. Dennoch gibt es hier kein Richtig und kein Falsch. Klar ist aber, dass Eingriffe von außen immer behutsam und mit Bedacht passieren sollten.

Aufbruch 
Eine quälende Fahrt nach Kathmandu steht uns bevor - aber die Verbindungsstraße zwischen Pokahra und Kathmandu ist vollumfänglich befahrbar und hat keine Erdbebenschäden zu verzeichnen. Bei unserer Ankunft am späten Nachmittag in Kathmandu steht fest, dass wir im Herbst alle Touren mit deutschsprachigen Führern anbieten können. Es ist ein erster, sehr wichtiger Schritt in die bevorstehende Saison, die dieses Jahr für alle Menschen in Nepal so wichtig geworden ist.