Kilimandscharo - Expedition 2009 in Tansania Zurück zur Übersicht

Thomas Lämmle und die neue Route zum Kilimandscharo.

Erstbegehung der „Thomas-Glacier-Route“

Eine Gruppe des DAV Summit Club hat unter Leitung von Thomas Lämmle den Kilimandscharo, 5895 m, am 28. und 29. Oktober 2009 erstmals über die Gletscher des Nördlichen Eisfelds bestiegen. Die Kilimandscharo-Nationalpark-Verwaltung (KINAPA) hat den neuen, spektakulären „Weg“ neben Western Breach Route, Barafu Route und Kibo Hut Route offiziell als vierte Besteigungsroute anerkannt und ihn nach dem Entdecker „Thomas-Glacier-Route“ genannt.

Der Kilimandscharo ist mit jährlich 37.000 Trekkingtouristen und etwa 150.000 einheimischen Guides bzw. Trägern (Stand 2008) der am meisten frequentierte Berg der Erde. Dieser Vielzahl von Gipfelaspiranten stehen insgesamt sieben Zustiegsrouten bis zum Kilimandscharo-Circuit (Rundweg) zur Auswahl, wobei sich etwa 80 Prozent der Besteigungen auf die Machame- und Marangu-Route konzentrieren. Vom Kilimandscharo-Circuit führten bisher lediglich zwei Routen zum Gipfel, dem Uhuru Peak: von der Barafu-Hütte über den Stella Point und von der Kibo-Hütte über den Gillmann`s Point. Die dritte Zustiegsmöglichkeit, die Western Breach Route ab Arrow Glacier Camp, darf seit 2005 nach mehreren tödlichen Unfällen durch herabstürzendes Gestein nur noch mit einer selten ausgesprochenen Sondergenehmigung der Nationalparkverwaltung begangen werden.

Keine dieser Gipfelrouten berührt die Gletscher. Der Krater, der Ash-Pit und die Eisfelder können auf den genannten Routen nur von Ferne betrachtet werden. Eine anspruchsvolle Gletscherroute fehlte bisher. Nach mehreren Vorgesprächen mit der Kilimandscharo-Nationalpark-Verwaltung (KINAPA) erhielt eine Gruppe des DAV Summit Club für den Herbst 2009 zum ersten Mal nach Reinhold Messner und Konrad Renzler (Breach Wall Direktroute) 1978 die Sondergenehmigung zur Erkundung bzw. Erstbegehung einer neuen „Kibo“-Gipfelroute.

Ich hatte die Route mit Hilfe von Luftaufnahmen 2008 entdeckt. Schlüsselstelle der Route sollte eine Felsbarriere (Moonlight Wall) sein, die den Zustieg zu einem Grat/Rücken bildet, der hoch zu den Gletschern des Nördlichen Eisfeldes leitet. Vorgabe der KINAPA war, von einem der bestehenden Camps aus zu starten. Mein Anliegen war es, einen objektiv sicheren Anstieg über die Gletscher des Nördlichen Eisfelds zu finden, der den Hauptkrater, den Reusch-Krater und den Furtwängler-Gletscher berührt. Mir schwebte eine Alternative zur steinschlaggefährdeten Western Breach Route und eine neue Herausforderung für ambitionierte Bergsteiger vor.

Nach umfangreicher Vorakklimatisation am 4650 m hohen Mt. Meru konnte die zehnköpfige DAV Summit Club-Gruppe Ende Oktober über die konditionell anspruchsvolle Umbwe Route bis zum Barranco Camp, dem Basislager der Expedition, aufsteigen. Begleitet wurden wir von vier einheimischen Führern und dem Ökologen des Kilimandscharo-Nationalparks, Efraim Mwangomo. Vom Basislager aus unternahmen Local Guide Dismas Mariki und ich eine erste Erkundung bis zum Fuß der Gletscherzunge. Dabei haben wir das erste Teilstück der neuen Route mit GPS vermessen und mit Steinmännern markiert. Außerdem wurde die Felsbarriere mit Haken zur späteren Seilfixierung ausgestattet.

Am 28. Oktober stieg die Gruppe zum 4650 Meter hoch gelegenen Lava Tower Camp auf. Nach einer Ruhepause wurde bereits um 23:30 - in einer perfekten Vollmondnacht - der Aufstieg zum Nördlichen Eisfeld gestartet. Die Felsbarriere konnte mit 25 Metern Fixseil versichert werden, so dass die Schlüsselstelle problemlos gemeistert wurde. Nach sieben Stunden wurde die lange Gletscherzunge des Nördlichen Eisfeldes, der Credner-Gletscher, erreicht. In Viererseilschaften stieg die Gruppe entlang des Credner Gletschers Richtung Kratereisfeld auf. Der Aufstieg erwies sich als äußerst anstrengend. Am Ende der Trockenzeit hatte sich der gesamte Gletscher in ein stufenförmiges Gebilde mit großen Büßerschneeeinlagerungen verwandelt.

Über Umwege und immer neue steile Stufen gewannen wir nur langsam an Höhe. Auf etwa 5650 Metern verließen wir den Credner-Gletscher und querten zur mittleren Eiszunge des Nördlichen Eisfelds. Nach weiteren zwei Stunden Aufstieg war die Messstation auf dem Nördlichen Eisfeld erreicht und es konnte steil in den Krater abgeseilt werden. Die Durchquerung des Kraters im schwarzen Lavasand, vorbei am jungen Reusch-Krater und dem Furtwängler-Gletscher, war ein besonders beeindruckendes Erlebnis. Als letztes Hindernis vor dem Uhuru-Peak, höchster Punkt des Kraterrandes, war noch eine steile Schneerinne zu begehen. Um 16.00 Uhr, nach 16,5 Stunden Aufstieg, erreichte die Gruppe des DAV Summit Clubs den Gipfel des „Kibo“. Es war ein ganz besonderes Gefühl, alleine auf dem höchsten Punkt Afrikas zu stehen, nach Bewältigung einer neuen Gipfelroute. Alleine am Gipfel des Kilimandscharo und alleine unterwegs auf einer neuen Route.

Im Licht der untergehenden Sonne stieg die Gruppe anschließend über das Barafu Camp zum Millennium Camp ab – nach 22 Stunden war die Überschreitung des Kilimandscharo auf einer neuen Route geschafft. Am nächsten Tag am Marangu Gate wurde die Route von der KINAPA offiziell als vierte Besteigungsroute, neben Western Breach Route, Barafu Route und Kibo Hut Route, eingeweiht und auf den Namen „Thomas-Glacier-Route“ getauft.

                                                                                        Thomas Lämmle

Der DAV Summit Club gratuliert Thomas Lämmle und seinem Team: Kurt Burkard, Peter Loher, Fritz Bruder, Martin Christ, Ralf Will, Dr. Jürgen Zapf, Dr. Joachim Sturm, Dr. Daniel Würth, den Guides Peter Mato, Moses Layamuya und Dismas Mariki  sowie dem Nationalpark-Ökologen Ephraim Mwangomo.

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