Wildniswanderungen in Patagonien Zurück zur Übersicht

Patagonien ist die Heimat des Winds. Hort der Stürme. Ein elementares Erlebnis, das Summit-Kunde Wolfgang Helmboldt weitgehend bei bestem Wetter genossen hat. Lesen Sie seinen Reisebericht.

Freier Blick auf spektakuläre Landschaften

Patagonien ist ganz sicher ein reizvolles Reiseziel, aber man muss einfach mit rauem Wetter, Sturm und Regen rechnen und auch damit, die steilen Zacken von Cerro Torre, Fitz Roy oder Torres del Paine einfach nicht zu Gesicht zu bekommen.

Nach 14-stündigem Flug von Frankfurt nach Buenos Aires nimmt uns unsere sympathische und quirlige deutschsprachige Reiseleiterin Sonia im Empfang. Am kommenden Tag geht es nach kurzem Stadtrundgang mit dem Flugzeug drei Stunden weiter in den Süden nach El Calafate. Unsere achtköpfige Reisegruppe wird nun mit einem kleinen Bus zum Standort der nächsten Woche nach El Chalten gebracht. Die Sicht auf die Fitz Roy Gruppe wird uns von den Wolken und einsetzendem Regen verwehrt. Unsere ersten beiden Wanderungen sollen uns dem Fitz Roy näher bringen. Die Wanderung zum Lago Electrico unter die Nordwand des Fitz Roy brechen wir wegen Sturm und Regen an der Piedra del Fraile ab. Die zweite Wanderung zur Laguna de los Tres brechen wir ebenfalls am Campamento Poincenot ab und gehen an der Laguna Capri vorbei zurück nach El Chalten. Insgeheim fragt sich wohl jeder Teilnehmer, ob es die richtige Entscheidung war, nach Patagonien zu reisen.

In El Chalten sind wir in einer einfachen Hosteria untergebracht. Der Kontakt zur Außenwelt über Handy ist (noch) nicht möglich, es gibt aber mehrere Internetshops. Dort treffen wir zufällig Alexander Huber. Er hatte sich viel vorgenommen, kann aber wetterbedingt nur abreisen. Der Sommer ist in Patagonien ausgefallen, es ist viel zu kalt und regnerisch, in den Bergen schneit es, die Felsen sind mit Eis überzogen und die Natur ist um einen Monat im Rückstand. Extremes Klettern ist schlicht unmöglich.

Trost finden wir nach den Wanderungen in der kleinen ortsansässigen Brauerei bei naturtrübem, hellem, frisch gezapften Bier und beim Abendessen im Speiselokal Ruca Mahuida. Dort wird uns Trekkern Sterneküche in urigem Ambiente von freundlichem Personal geboten, welches auch unsere Lunchpakete für die Touren zusammenstellt.

Der dritte Tag bringt dann die (Wetter-) Wende, welche bis zum Ende unserer Reise zum Erstaunen unserer Reiseleiterin und der Guides anhält, endlich Sommer in Patagonien. Im Hintergrund führt scheinbar eine geheime Macht stets Regie. Am Beginn jeder unserer Wanderungen zeigen sich die imposanten Gipfel nur zaghaft und von Wolken teilweise verhüllt. Mit Fortdauer der Tour zum Nachmittag hin reißt der Vorhang auf und gibt uns den Blick auf spektakuläre Landschaften frei.

Der Aufstieg zur Laguna Torre beschert uns den ersten Blick auf Fitz Roy mit Trabanten, während sich der Cerro Torre nur zaghaft zeigt. An der Laguna angekommen ziehen die Wolken zügig an den drei Torres (Cerro, Egger, Standhardt) vorbei, es werden immer wieder Teilstücke sichtbar. Pünktlich zum Aufbruch an der Laguna zieht die Wolkendecke höher und gibt die Sicht auf diese überaus imposanten Granitnadeln nahezu komplett frei.

Das Wetter bleibt schön, also auf zu einer echten Wildniswanderung, weglos über der Cerro Polo, ein dem Fitz Roy massiv vorgelagerter Aussichtsberg. In leichter Kletterei zunächst auf einen Absatz und dann auf das weiträumige Gipfelplateau. Abwärts geht es durch nahezu undurchdringlichen Wald aus niedrigen Südbuchen, über die Bäume oder unten hindurch. Immer wieder herrliche Ausblicke auf den vereisten Fitz Roy. Es muss dann noch ein Bach durchschritten werden, bevor es auf bekanntem Weg von der Laguna Capri zurück in die Brauerei nach El Chalten geht.

Nun stehen drei Wandertage zum Paso del Viento mit zweimaliger Zeltübernachtung am Lago Toro an. Unsere Schlafsäcke und Isomatten werden von Lamas transportiert, die Zelte befinden sich in einem Depot vor Ort. Es geht zwar mit Regen los, aber schon bald wird es sommerlich schön. Es geht durch abwechslungsreiche zwischen Wald und Sumpf wechselnde Landschaft mit herrlichem Blick auf den Lago Viedma. Dabei gibt es auch vorsichtige Begegnungen mit massigen frei laufenden Rindern. Beim Abstieg in das Tal des Rio Tunel, dem Abfluss des Lago Toro, führt der Weg durch leider abgebrannten Südbuchenwald und es sind mehrere Bäche zu durchqueren. Der Aufstieg zum Pass erfolgt bei bestem Wetter und klarer Sicht. Direkt unterhalb des Gletschers Rio Tunel müssen etliche Arme des Flusses durchquert werden, ein eiskalter Auftakt. Im Fels zunächst aufwärts, dann hinab in die Randkluft des Gletschers und auf der anderen Seite wieder hinauf.

Der Weg über den Gletscher ist problemlos, danach folgen ein Wegstück mit unangenehmem Blockgestein und der lange Anstieg. Am Pass angekommen ist unvermittelt der Blick frei auf das südliche Eisfeld mit seinen in der Sonne glitzernden, schneebedeckten Randgebirgen. Gewaltig und beeindruckend bei dieser wohl nicht so oft anzutreffenden Fernsicht. Auf gleichem Weg geht es zurück ins Zeltlager und am anderen Tag wieder nach El Chalten.

Es steht nun der Transfer nach El Calafate an. Wir wollen diesen Tag für eine Gletscherwanderung auf dem Gletscher Viedma nutzen. Mit dem Katamaran fahren wir über den See. Die Windrichtung ist leider ungünstig, so dass wir wegen Wellengang nicht am Gletscher anlegen können.

In El Calafate wohnen wir zwei  Nächte in einem liebevoll ausgestalteten Hotel am Stadtrand. Ein Stadtbummel und Souvenirkauf füllen den Nachmittag, abends ist Lomo angesagt, riesige, hervorragend zubereitete Steaks. Von El Calafate ist es nicht weit zum berühmten Gletscher Perito Moreno. Einen ersten Eindruck von der gewaltigen Gletscherwand, die in den See abbricht, gewinnen wir vom Boot aus. Neu angelegte Stege und Aussichtplattformen ermöglichen in einem ausgedehnten Rundgang immer wieder neue Ausblicke. Wir können beobachten, wie riesige Eisblöcke krachend in den See stürzen.

Der Grenzübertritt nach Chile verläuft problemlos. Entlang des Lago Sarmiento, mit ersten Ausblicken auf das Massiv der Torres del Paine, fahren wir zur Laguna Verde. Vor dem Abendessen werden wir mit dem chilenischen Nationalgetränk "Pisco Sour“ begrüßt. In Nähe einer Estancia zelten wir in einem Wäldchen. Über unseren Zelten sitzen Eulen und Käuze in den Bäumen. Die Nacht bringt leichten Regen und ein geisterhaftes Vogelkonzert.

In einer leichte Wanderung durch herrliche Landschaft wechseln wir zum Lago del Toro. Unterwegs begegnen uns Gauchos, die Pferde zu einem Reitturnier treiben. Von einem Aussichtspunkt haben wir einen traumhaften Blick auf den tiefblauen Lago del Toro und den Rio Paine. Nach steilem Abstieg bringt uns der Bus zum Campingplatz am Lago Pehoe. Wetter und Sicht werden immer besser. Wir genießen auf einem kleinen Hügel die unvergleichliche Aussicht auf den türkisfarbenen See und die dahinter liegenden Berge, der massige Paine Grande, die dreifach geschichteten Cuernos (Hörner) und sogar einer der Torres schaut noch heraus, ein Traum.

Drei Nächte sind wir auf diesem schönen Zeltplatz. Es gibt sehr ordentliche Toiletten, Dusch- und Waschgelegenheiten. Der am See gelegene Speisesaal ist großzügig verglast. So haben wir die Möglichkeit sogar beim Abendessen das Panorama zu genießen, einschließlich Sonnenuntergang.

Einige stehen für den Sonnenaufgang extra früh auf, es hat sich gelohnt. Der Tag wird wunderschön, also spontane Programmänderung. Wir wollen das Wetter nutzen und gleich die Tour hinauf zu den Torres unternehmen. Der Bus bringt uns zum Ausgangspunkt bei der Hosteria del Torres. Von dort zunächst stramm aber unschwierig bergauf und dann wieder hinab zum Campamento Chileno. Weiter durch dichten Wald und zuletzt steil im Blockgelände und auf einer Moräne zum berühmten Aussichtspunkt. Da stehen sie nun die Torres, erhaben und eindrucksvoll vor dem kleinen Gletschersee. Wir suchen ein windgeschütztes Plätzchen und verweilen längere Zeit. Auf gleichem Weg geht’s zurück.

Die Programmänderung erweist sich als goldrichtig. Am nächsten Tag ist das Wetter nicht mehr ganz so gut, vor allem die Sicht ist schlechter. Ein Katamaran bringt uns über den Lago Pehoe. Durch blumenreichen Wald am Lago Skottsberg wandern wir zum Campamento Italiano. Von dort steigen wir auf in das Valle del Frances. An einem Aussichtspunkt rasten wir und kehren um. Die Aussicht wieder grandios, direkt unter uns die Seenlandschaft der Torres del Paine. Links sind die Cuernos zum Greifen nahe. Wir können die einmalige Schichtung aus Sedimentgestein, Granit und oben Schiefer bewundern. Rechts der gewaltige Gletscher des Paine Grande, in welchen immer wieder Lawinen zu Tal donnern.

Es steht wieder ein Lagerwechsel an. Im Nationalparkzentrum am Lago Grey schauen wir uns einen interessanten Geo- Film über Pumas an. Eine kurze Wanderrunde über eine Halbinsel im Lago Grey gewährt uns bei heftigem Sturm und teilweise auch Regen Blicke auf den Grey Gletscher am Ende des Sees und die blau glitzernden Eisblöcke im See. Unseren Spaziergang nutzt unsere Sonia dafür, Eis aus dem See zu fischen und uns mit Whiskey zu überraschen, tolle und erwärmende Idee.

Eine aussichtsreiche Fahrt bringt uns zur Laguna Azul. Von einem kleinen Pass führt die Schotterstraße hinunter zum tiefblauen See. Genau als der See in Sicht kommt grast vor dieser Kulisse wie bestellt eine große Herde Guanakos. Diese lassen sich nicht stören und so machen wir einen längeren Fotostopp. Unten angekommen wird es immer besser, weiter Guanakos, dann noch Füchse, Flamingos und Magellangänse. Das alles vor der Kulisse des unglaublich blauen Sees und den Torres im Hintergrund, fast schon kitschig.

Der Zeltplatz liegt etwas oberhalb des Sees mit Blick auf die Torres, einfach toll. In einem geräumigen Mannschaftszelt werden wir mit einer chilenischen Grillmahlzeit verwöhnt. Der Folgetag ist mehr ein Ruhetag. Wir gehen auf einen Aussichtsberg oberhalb des Zeltplatzes, jeder nur soweit er möchte. Ansonsten ist Erholung angesagt.

Der Rest unserer Reise führt uns über Puert Natales wieder zurück über die Grenze nach El Calafate in Argentinien und dann per Flugzeug nach Buenos Aires. Eine Stadtführung mit Sonia und ein Stadtbummel schließen unseren Aufenthalt ab. Eine tolle Reise mit riesigem Wetterglück mit einer harmonischen Reisegruppe geht zuende. Davon kann man noch lange träumen.

                                                                                            Wolfgang Helmboldt

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