26.05.2015
Nepalesisches Tagebuch #03: Der erste Rundgang

Wir frühstücken heute mit dem General Mananger des Hotel Annapurna und dessen Stellvertreter. Dem GM ist noch deutlich der Schock anzumerken, der ihm von den Erdbeben in den Gliedern steckt. Er berichtet uns von seinen Erlebnissen. Am meisten ist er davon betroffen, dass viele seiner Angestellten Angehörige und ihr Zuhause verloren haben. Dieser persönliche Bericht relativiert unseren Eindruck von einer langsam aufkommenden Normalität in der Stadt Kathmandu.

Kulturstätten in Patan, Bhaktapur und Kathmanduweitgehend erhalten
Nach dem Frühstück brechen wir auf eine Rundtour zu den kulturellen Höhepunkten des Kathmandu Tals, speziell zu den drei Königsstädten Patan, Bhaktapur und Kathmandu auf. Den Eindruck, den man zu Hause durch die Medienberichte bekommen konnte, legte nahe, dass diese Unesco Weltkulturerbestätte komplett zerstört wurden. Das ist Gott sei Dank nicht der Fall. Die meisten Heiligtümer und Bauten sind erhalten. Am deutlichsten hat das Erdbeben Spuren am Durbar Square von Kathmandu hinterlassen. Hier sind zwei der stadtprägenden Pagoden eingestürzt. Der sagenumwobene Kastamandapa, der der Legende nach aus dem Holz eines Baumes und ohne einen einzigen Nagel gefertigt wurde, ist völlig in sich zusammengebrochen. Auch das Triloka Mohan Mandir und die Maju Deval Pagode sind zusammengestürzt. Einsam kniet nun die uralte Statue des Garuda vor der einstigen Pagode. Das alte Palastgebäude des Hanuman Dhoka ist sehr stark beschädigt. Im historischen Stadtkern von Kathmandu - ebenso wie in Bhaktapur und Patan -  sind die Verwüstungen sicherlich am deutlichsten zu sehen und auch die benachbarten Wohnviertel sind aufgrund der alten Bausubstanz am stärksten betroffen. Es gibt aber auch positive Meldungen. Das Kumari Bahal, der Wohnsitz der lebenden Göttin, ist unbeschadet geblieben und auch das Hinduheiligtum Pashupatinath ist auf den ersten Blick wohl erhalten.

Aufräumarbeiten
Insgesamt kann man feststellen, dass eine gute Woche nach dem zweiten Beben die Aufräumarbeiten in vollem Gange und bereits sehr weit fortgeschritten sind und man sich gefahrlos in den Städten bewegen kann. Anfängliche Versuche, Steine und alte Holzelemente von eingestürzten Bauten zu stehlen sind von der örtlichen Polizei eingedämmt worden.

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