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Farbenprächtiges Indien. Die Wüste Thar. Auf dem Kamelrücken . Das Erlebnis Rajasthan. Christoph Thoma berichtet von seiner Reise im Januar/Februar 2010.

Wie ein Rajputen-Prinz auf dem Kamelrücken durch die Wüste Thar

Alle Farben Indiens findet man in Rajasthan. Der indische Bundesstaat an der Grenze zu Pakistan ist etwa so groß wie Deutschland. Die gewaltige Wüste Thar bildet das heiße Herz des Landes, in dem Maharadschas und Mogul-Kaiser monumentale Spuren hinterlassen haben, die hinter dem Taj Mahal in Agra nicht zurückstehen. Beim Kameltrekking mit dem DAV Summit Club reist man wie ein Rajputen-Prinz. 

Nihal kommt daher wie die indische Ausgabe von Lawrence of Arabia, mit wehendem Kopftuch, im vollen Galopp. Der zweite Tag in der Wüste Thar hatte damit begonnen, dass ein Reiseteilnehmer seine Kamera vermisste. Er hatte sie am Zeltplatz hinter einem Dornbusch versteckt und dort verges-sen. „No problem“ war der knappe Kommentar des Chefs der Cameleers. Und schon hatte er sein Dro-medar gewendet und „auf Trab“ gebracht.

Touristen Verlorenes zurückbringen, einen Hügel ausfindig machen, auf dem das Handy Empfang hat (für Wüsten-Geschichten nach Deutschland), die schönsten Rastplätze auswählen und zielsicher den Weg finden – das sind nur einige der Aufgaben, die Nihal wahrnimmt, der wie ein Wüstenkrieger aus-sieht und in den wenigen Dörfern hohes Ansehen genießt, der regelmäßig mit abenteuerlustigen Ur-laubern aus Deutschland in seinen heimatlichen Ge-filden unterwegs ist. Durch die Wüste – mit Zwei-Personen-Komfortzelten, mit einem nepalischen Spitzenkoch, mit Tischen und Stühlen, mit Waschschüsseln und Toilettenzelten…

Der Rhythmus ist erholsam. Entschleunigte Zeit. Im Schritt rollen die Wüstenschiffe. Man kreist vertikal mit Hüfte und Becken, nimmt die Schultern zurück und hat das Gefühl, dass der Rücken für diese Art Training dankbar ist. Und man muss nicht selber auf den Boden schauen, das erledigen die geduldigen Riesentiere mit den langen Hälsen; so hat man wahrlich Zeit, die Weite der vom Wind gezeichneten Dünenlandschaft zu betrachten und den eigenen Gedanken nachzuhängen. Es gibt nichts Erholsame-res als einen Kamelritt. Wenn, ja wenn man auf dem stolzen Tier erstmal sicher oben sitzt.

Die achtköpfige Gruppe des DAV Summit Club ist aus der unglaublichen Unüberschaubarkeit des hek-tisch-chaotischen Delhi über Nacht im Komfort-Liegewagen der Indischen Eisenbahn nach Bikaner gereist, „Sprungbrett“ für Wüstentrips, die immer beliebter werden. Nach einer Hotelnacht – gebettet wie ein Märchenprinz – standen am Straßenrand für jede und jeden die Kamele bereit. Schnell bildeten sich Dreier-Treams: Kamel, Gast und Kameltreiber bzw. –führer. Der Tagesrucksack wurde an den Sat-telknauf aus Messing gehängt und schon ging’s los.

Nihal sammelte die aufgeregt-schnatternde Gästegruppe um sich und gab einen Einführungskurs.  Wenn das Kamel erst einmal steht und in stoischer Gleichmäßigkeit seine bratpfannengroßen, mit zähsamtener Haut gepolsterten Füße im Passgang vor-einandersetzt, ist alles gewonnen. Aber vor dem Kommando „Aufstehen“ oder „Niederknien“ – beides passt den Tieren in der Regel nicht, muss der Reiter zwingend eine Hand hinten und eine Hand vorne fest am Sattelzeug haben, damit er die ruckartigen Hebungen ausgleichen kann, die einen – wenn unvorbereitet – durchaus nach vorne oder hinten aus dem Sattel katapultieren können.

Und jetzt ist die Karawane schon den zweiten Tag unterwegs. Jeder hat seinen Platz in der Gruppe. Die Reihenfolge steht fest, weil – wie bei den Menschen – nicht jedes Kamel mit jedem kann. Die Cameleers wissen genau, dass es kein gut tut, wenn z. B. zwei Hengste nebeneinander gehen oder – noch schlimmer – zwei Hengste und eine Stute. Die Nacht unter einem unglaublichen Sternenhimmel bei flutlichtartigem Mondschein über wallend-wabernden Dünenbergen war kühl. Gefroren hat niemand, denn mit einer Wärmflasche unter den dicken Daunen-Spezialdecken kann auch das letzte Weichei nicht ernsthaft kalt haben.

Gab es am Abend noch ein wohlschmeckendes Dreigang-Menü mit Reis, Kartoffeln, Gemüse und Hühner-Curry – natürlich war auch ein Bier zu ha-ben, so begann der Morgen der Wüstenreiter mit einem gleichermaßen köstlichen Frühstück aus Rührei, Müsli, Chapati und Yoghurt. Nichts auf der Welt kitzelt die Lebensgeister angenehmer wach als süßer, heißer, mit Kardamom und Zimt gewürzter Masalla-Tee.aus Rajastan. Indien zum Trinken. 

Sodom-Apfel mit fleischiggrünen Blättern, die giftige Milch enthalten, wird von den Kamelen ignoriert. Dafür haben es ihnen Akazien angetan. Und die Verlockung ist groß genug, um schon einmal den "Weg" zu verlassen, wenn der Treiber im meditati-ven Tritt im Gehen eingeschlafen ist. Immer wieder springen gut getarnte Antilopen auf. Manchmal quert sandgrau ein Wüstenfuchs mit steil aufgerichteter Route. Es sind die kleinen Begebenheiten am Rande, die sich zum dicht gewebten bunten Teppich fügen, wie ihn kunstfertig einheimische Halbnomaden weben, die gastfreundlich zum Tee einladen.

Abends lodert das Lagerfeuer. Nihal erzählt lange Geschichten, von Prinzessinnen, Wüstenkriegern, Zauberern und der Wüste. Und einmal kommt aus dem nahen Dorf eine lokale Musikgruppe. Tanz auf gestampftem Sand. Gleichmäßige Rhythmen auf Trommeln geschlagen, die eigentlich leere Plastik-kanister sind. Und sich doch bestens eignen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Und in den Nächten, dick eingemummelt in den Spezialbettdecken, ist die Stille der Wüste hörbar. Gewöhnungsbedürftig!

Mit einer Ayurveda-Ölmassage im Hotel Sonagarh Fort in Jaisalmer gelingt die Rückkehr in die „Zivilisation“ ruckfrei. Nach den Tagen auf und mit den Kamelen, nach der knappen Woche im begrenzten Team der Cameleers, mit ganz wenigen anderen Menschen, wartet außerhalb der Wüste das geschichtliche Rajasthan und - die Menschenvielfalt Indiens. Männer mit Turbanen und gezwirbelten Schnurrbärten, Frauen in leuchtend roten oder grellgrünen Kleidern. Und zu kleine Straßen für zu viele Autos. Das Gehupe ist dementsprechend. Was für ein Kontrast zur Stille der Sanddünen.

Jaisalmer, das ist eine Märchenstadt aus Tausendundeiner Nacht. Man könnte Seherazade begegnen. Reich geworden durch den Handel mit Opium und Gold. Die Fassaden der alten Havelis – wie die kunstvollen Stadtpaläste der Kaufherren genannt werden, zeigen großartige Steinmetzarbeiten. Die Festung des Rajputen-Geschlechts der Hahawaral thront - Schutz und Bedrohung zugleich – hoch über dem Straßengewirr.

Jodhpur, die „Stadt des Lichts“, ist bekannt für den größten und wichtigsten Gewürzmarkt Rajasthans. Weiß Gott wie viele Curry-Sorten zu haben sind, wie viele Arten von Chili und Spezial-Masalla. Von Kostbarkeiten wie Safranblüten aus Afghanistan ganz zu schweigen. Wie das riecht und in der Nase kitzelt. Die Festung von Merangharth mit gewaltigen Ausmaßen hat die Hügel über der Stadt besetzt. 1559 wurde sie als Residenz eines Rajputenfürsten errichtet. Zehn Kilometer lang sind die Wälle und Mauern. Sieben mächtige Tore erlauben den Zutritt – oder eben nicht. 

Die Hauptstadt Rajasthans ist Jaipur, einen ganzen langen Fahrtag von Jodhpur entfernt. Wieder so eine Märchenstadt aus dem Mittelalter. Rosarote Märchenschlösser erzählen von einer längst vergangen Zeit. Die orientalisch anmutende Altstadt, die sich lautstark in Szene setzenden Muezzine, die verspielte typische Mogul-Architektur mit in zartes Rosa getauchten Häuserfassaden, all das lässt die Stadt wie eine Bollywood-Kulisse erscheinen.

Und noch mehr wird der Tag zum ganz großen Kino, wenn man zuerst staunend vor dem berühmten "Palast der Winde“ steht und dann auf dem Rücken eines Elefanten thronend in langer Prozession in einer knappen halben Stunde hinaufgeschaukelt wird zur Festung Amber. Das schönste Fort ganz Indiens.

Dann ist man nicht mehr der Rajputen-Prinz auf dem Kamel. Jetzt ist man Maharadscha.
            
                                                                                               Christoph Thoma

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